09.03.2003

NYC

Bildquelle: AP

Kulturkampf legt Broadway lahm

Der Streit über den weitgehenden Ersatz von Orchester-Musikern durch Computer ist am Wochenende unerwartet eskaliert.

Die größte US-Musikergewerkschaft hat seit Donnerstag einen Streik der Broadway-Musiker organisiert, der die größten 18 Musicals blockiert.

Die Theater-Betreiber hatten dabei offensichtlich weder mit einem ernsthaften Streik über das ganze Wochenende noch mit der Solidarität der Schauspieler und Bühnenarbeiter mit den Musikern gerechnet.

Pause nach 25 Jahren

Der Streik hat dem Broadway das erste geschlossene Wochenende seit 25 Jahren beschert und scheint auch über die Theaterbranche hinaus Symbolkraft zu besitzen.

Am Samstag demonstrierten auch Popmusiker wie Kevin Richardson von den Backstreet Boys zusammen mit den Orchester-Musikern für eine Live-Atmosphäre und Musiker-Arbeitsplätze vor den betroffenen Theatern.

Computer sollen künftig weitgehend die Live-Musik am Broadway ersetzen und Hunderte Musiker-Arbeitsplätze überflüssig machen. Die Vereinigung der Theaterproduzenten will für Musicals am Broadway jetzt nur noch jeweils höchstens 14 statt wie bisher 24 bis 26 Instrumentalisten aus Fleisch und Blut einsetzen.

Orchester-Sound virtuell

Im Grunde seien schon bald überhaupt keine Live-Musiker mehr erforderlich, meint der Präsident der Produzentenvereinigung, Jed Bernstein. Das hätten Proben mit von Computern eingespielten Orchesteraufnahmen gezeigt. Die Reduzierung der Orchester sei daher ein Friedensangebot.

Die Immitation eines echten Orchester-Sounds wird dabei nicht durch einfaches Playback möglich, sondern durch Sample-basierte "virtuelle Orchster".

Ein solches soll beispielsweise die Vienna Symphonic Library [VSL] der Realität ein Stück näher bringen: "Nicht einmal Profis können das unterscheiden", meint der Projektinitiator, Cellist, Filmkomponist und Regisseur Herb Tucmandl.