MP3-Klingeltöne als neuer Schrecken
Eine kleine Firma namens Xingtone könnte sich zum nächsten Schrecken der Musikindustrie entwickeln. Die Firma bietet einen Service an, mit dem MP3s als Handy-Kingeltöne verwendet werden können.
Damit könnten bisher übliche MIDI-Files als polyphone Handytöne durch Lieder jedes beliebigen Künstlers ersetzt werden ¿ und damit ein neues Betätigungsfeld für die Musikindustrie im Kampf gegen Piraterie eröffnet werden.
"Es ist eine einfache Wahl: Wollen die Leute, dass ihr Handy wie ein altes Arcade-Spiel läutet oder lieber wie ihr Lieblingssong in Radioqualität?", so Brad Zutaut von Xingtone.
Xingtone bietet dem User auf der Website die Möglichkeit, das gewünschte Lied als MP3 oder Wav-File raufzuladen, das von der Firma dann entsprechend umgewandelt wird und an das Handy verschickt wird. Derzeit funktioniert der Service allerdings nur mit vier Handymodellen [Samsung A500 und N400 sowie Sanyo 4900 und 5300].
XingtoneKlingeltöne als Hoffnungsschimmer
Der Verkauf der Handyklingeltöne war für die Musikindustrie bis
jetzt ein Rettungsanker im stetig fallenden Musikverkauf. Vor allem
in den Lizenzgebühren sah die Industrie einen Hoffnungsschimmer für
Kompensationen der Einnahmenverluste.
Klingeltöne retten die MusikindustrieMusikindustrie wittert Piraterie
Doch die Musiklabels orten in dem Service bereits die Unterstützung einer weiteren Form von Piraterie. "Es ist viel einfacher, wenn sie [Xingtone] den Inhalt lizensieren und dann erst verkaufen würden, anstatt Diebstahl zu unterstützen", sagte Jay Samit, Präsident der Digital Distribution von EMI.
Einige der großen Musiklabels haben bereits Lizenz-Verträge mit Handybetreibern in Europa und Asien abgeschlossen. Im diesem Frühjahr sollen erste Services online gehen.
Handys von Sanyo und Samsung sollen laut Xingtone bereits MP3-Unterstützung anbieten, zudem sollen andere Handyhersteller sowie Netzbetreiber an der Implementierung des Service arbeiten.
Kopierschutz für Handys
Zum Schutz der Urheberrechte von Musik, Videos und Spielen, die
in Zukunft auf mobilen Geräten genutzt werden können, wollen IBM und
Nokia gemeinsam eine Technologie entwickeln, die Handy-Nutzer daran
hindern soll, Klingeltöne, Grafiken und Spiele untereinander
auszutauschen.
Kopierschutz für Handy-KlingeltöneLimit von 30 Sekunden
Im Moment werden von den Netzbetreibern nur Songs bis zu 30 Sekunden unterstützt, doch sobald diese Restriktion fällt will Xingtone auch ganze Songs anbieten.
Zutaut hat bis jetzt erst mit einem Musiklabel Gespräche geführt, doch er hofft, dass die Industrie diesen Service als Chance sieht und ergreift. Gleichzeitig ist er sich der Gefahr bewusst, damit die Labels auch nachhaltig zu verärgern.
"Mir ist klar, dass es Probleme mit Lizenzen gibt, aber wenn die User ihre eigene Musik auf ihr Handy senden, geht mich das nichts an."
Derzeit noch kostenlos
Im Moment ist der Service noch kostenlos, doch die Möglichkeit einer Gebühreneinnahme oder Co-Branding steht laut Zutaut im Raum.
