"Wir haben keine Daten ausgeliefert"
Seit gestern ist ein US-Gesetz in Kraft, das allen ausländischen Fluglinien mit Flügen aus den bzw. in die USA vorschreibt, ihr gesamtes Buchungssystem für US-Zollbehörden vollständig zu öffnen.
"Wir haben bis jetzt weder eine Anfrage erhalten, noch haben wir Datensätze in die USA geliefert", sagte dazu AUA-Sprecher Johann Jurceka auf Anfrage der fuZo. Desgleichen habe man den US-Zollbehörden auch keinen Zugriff auf die Reservierungssysteme gegeben.
Sobald eine technische Lösung vorliege, werde man Datensätze übermitteln bzw. dem US-Zoll Zugang zu ausgewählten Daten von US-Reisenden geben. Kreditkartennummern, Menüvorlieben sowie die Datensätze aus den Vielflieger-Programmen seien nicht dabei, so Jurceka weiter.
Bei British Airways in Fankfurt war zu erfahren, dass eine Anweisung aus London vorliege, "Daten bereitzustellen", Vollzugriff auf das BA-Buchungsystem bestehe für die US-Behörden nicht.
Übermittelt würden jene Daten, die über das APIS-System dem US-Zoll bereits seit Jahren übermittelt würden. Dazu komme allerdings die komplette Buchungshistorie jedes Kunden, der in die USA fliege.
Verwirrung über unterschiedliche VorgangsweisenBuchungshistorie, Passagierprofile
Das "Advanced Passenger Information System" [APIS] ist nichts anderes als eine früher per Fax, nun via Mail übermittelte Passagierliste jedes Flugs in die USA. Zeitpunkt: nach Abschluss des Check-in. Über das Buchungstool sind diese Daten [und sehr viele andere mehr] des Reisenden bereits Tage bis Wochen vor dem Flug abzulesen.
Die komplette Buchungshistorie jedes US-Reisenden von jeder Airline ermöglicht es den US-Behörden, Bewegungsprofile von Personen zu erstellen. Vor allem Vielflieger wie etwa mittleres und oberes Management international operierender Unternehmen sind davon betroffen. Durch Zusammenführen aller Buchungsdaten einer beliebigen europäischen Firma lassen sich tiefe Einblicke in operatives Geschehen und damit auch in die Geschäftsstrategien nehmen.
Lufthansa
Die Lufthansa hat einen Heise-Bericht bestätigt, dass für den
US-Zoll ein vollständiger Zugang eingerichtet wurde, der sämtliche
Passagierdaten, also auch Kredikartennummern, enthält. Man sei
dabei, eine Lösung speziell für die US-Behörden zu entwickeln, die
den Zugriff auf die übrigen Daten ausschließe, hieß es.
Die Heise-Story von heuteDas umstrittene Dokument
Donnerstagnachmittag hat die EU-Kommission die umstrittene
"gemeinsame Erklärung" mit den US-Zollbehörden veröffentlicht. Das
Dokument ist wortgleich mit jenem, auf dem die ersten fuZo-Storys zu
diesem Thema basieren.
Die offizielle Publikation der DG "Internal Market"Die "Interlinearversion", welche den letzten Durchgang an Korrekturen durch die Verhandler zeigt: Die EU schreibt mit blauer, die USA mit roter Tinte.
Das Dokument gleichsam von hinten betrachtet
