Das Medium, das in der Luft liegt
Wie klingt die Sonne? Künstler und Medienaktivisten, die mit elektromagnetischen Wellen arbeiten, machen das sonst unsichtbare Medium sichtbar, hörbar und begreifbar. Heute 22:30 Uhr im Ö1-Magazin matrix.
Die Radiowellen, die von der Sonne ausgestrahlt werden, werden von der "Solar Listening Station" akustisch umgesetzt. Die künstlerische Arbeit stammt von "Radioqualia", so der Name des Labels, unter dem Honor Harger und Adam Hyde Projekte, wie etwa "Radio Astronomy" betreiben.
Für die akustische Sonnen-Installation, haben die beiden Neuseeländer mit Weltraumforschungsinstitutionen wie der NASA und Wissenschaftlern von Radioteleskopen zusammengearbeitet.
Dem Weltall via Radio "zuhören"
Die Signale aus dem Weltall werden von "Radio Astronomy" via FM oder Internet verbreitet. Die Betreiber der Space-Station wollen durch das Hörbar machen der elektromagnetischen Wellen eine andere Sichtweise auf das Weltall ermöglichen, erklärt Honor Hargar, Medienkünstlerin und Kuratorin.
Ihr Background liegt in der Radio- und Soundkunst. "Es ist faszinierend, dass wir die gleiche Technologie, die wir nützen, um den ORF zu hören, auch nützen können, um den Jupiter zu hören. Wir können dem Jupiter zuhören, so wie wir jetzt den Stimmen aus dem Radio zuhören."
"Radio Astronomy" bringt nicht nur den Sound der Sterne on air und online. Projekte wie "The Frequency Clock" sind eine Einladung, sich mit der Beziehung zwischen net.radio und terrestrischem Radio auseinanderzusetzen. Mithilfe der Open-Source-Software kann jeder "streaming audio" und Video Channels kreieren und managen. "Wir wollen die Radiotechnologie demystifizieren und den Leuten zeigen, wie sie sie für ihre eigenen Ideen verwenden können", so Honor Hargar.
WIFIO = WIFI plus Radio
"Tune into your neighborhood" ist die Devise eines Projekts, das der neuseeländische Medienkünstler Adam Hyde bei der Ausstellung Waves in Riga präsentierte.
Zu sehen ist ein altertümliches Radioempfangsgerät. Hinter dem Cartoon-Bild verbirgt sich ein Computer, der zumindest theoretisch abspielen soll, was über freie WLAN-Netze in der Nachbarschaft zu hören ist.
Nachbars E-Mails via Radio
Denn zur Zeit ist das Gerät mit dem Namen "WIFIO", eine Wortkombination aus WIFI und Radio, noch ein Dummy. Bei der Installation gehe es um die Idee, so Adam Hyde. Und die ist zukunftsweisend.
"WIFIO will mit einem sehr einfachen Interface ermöglichen, dass man sich in andere Computer, die freie Funknetze nützen, eintunen kann", erklärt Adam Hyde. "Es konvertiert die verschiedenen Informationen, etwa wenn die Nachbarn ein E-Mail senden, dann fangt WIFIO dieses E-Mail ab und liest es mit einem Text to Speech Programm vor. Damit man es im Radio hören kann."
WIFIO gibt es als Kunstobjekt, aber auch als Software zum Download. Wobei die Software zur Zeit nur spielerisch demonstriert, wie dieses Modell funktionieren könnte. Um ein tatsächlich funktionierendes WIFIO-Gerät zu entwickeln, reichen die Kunstförderungen nicht aus.
Ohne Interaktion keine Frequenz
Das Frequenzband werde wie ein Stück Land gehandelt, zerstückelt, vermietet und verkauft, meint Julian Priest, Free-Wireless-Network-Aktivist in London und einer der Initiatoren von Open Spectrum UK.
"Was für Verwirrung sorgt, ist diese 'Ding-Vorstellung', die über das elektromagnetische Spektrum vorherrscht." Priest hinterfragt dieses Denkmodell. "Ich sehe darin vielmehr ein Potential, oder einen Möglichkeitsraum für Kommunikation und Interaktion. Außerdem könnte man auch sagen, ohne dass eine Interaktion stattfindet, gibt es gar keine Welle oder Frequenz, die diese Interaktion überträgt."
Freie Luft zum Sprechen
So wie die Luft frei zum Atmen ist, sollte sie auch frei zum Sprechen sein, was im Zeitalter elektronischer Kommunikation auch über elektromagnetischen Wellen erfolgt. So lässt sich das Anliegen der weltweiten Freenetwork-Community vielleicht auf den Punkt bringen.
Mit den neuen technologischen Entwicklungen gebe es erstens genügend Platz und außerdem sei die physikalische Realität des Mediums, das in der Luft liegt, eine andere. Julian Priest: "Es ist nicht dieses Stück Land, es ist vielmehr ein Boden für Transaktionen, der aber nur für die Dauer des Informationsaustausches existiert."
Heute 22:30 Uhr im Ö1-Magazin matrix
Radiowellen, Mikrowellen, Infrarotstrahlung, sichtbares Licht oder UV-Strahlung: all diese Wellen transportieren Signale. Über dieses meist nur als Transportmittel gedachte Medium zu reflektieren, das haben sich die lettische Künstlergruppe RIXC und der Medienkünstler und Kurator Armin Medosch mit der Ausstellung "Waves" vorgenommen.
Bei der Veranstaltung, die in Lettland, in der Hauptstadt Riga stattfand, wurden elektromagnetische Wellen als Material und Medium für die Kunst thematisiert.
Ina Zwerger berichtet über künstlerische, technische und politische Annäherungen an das Medium, das immer in der Luft liegt.
(matrix)
