Bei Siemens Österreich drohen Streiks
Der Konflikt um die Ausgliederung von Software-Mitarbeitern bei Siemens Österreich spitzt sich zu. Der Betriebsrat schaltet die Sozialpartner ein.
Am Montag schaltete der Betriebsrat im Konflikt um die Ausgliederung von 250 Mitarbeitern des Software-Bereichs PSE die Sozialpartner ein.
Vor einer paritätisch besetzten Schlichtungskommission wurde ein "Einspruch gegen die Wirtschaftsführung" des Unternehmens eingebracht.
Verhandlungen oder "Kampfmaßnahmen"
Für Dienstag sind noch einmal Verhandlungen angesetzt. Danach werde man entscheiden, ob es "Kampfmaßnahmen" geben wird, sagte Zentralbetriebsrat Ataollah Samadani.
Kommt es zu keinen Verhandlungsfortschritten, soll es übernächste Woche einen eintägigen Warnstreik der betroffenen Mitarbeiter geben. Die Woche darauf will der Betriebsrat die Proteste auf die gesamte PSE in Österreich ausdehnen.
Ausgliederung
Hintergrund ist eine geplante Aufteilung des Software-Bereichs ["PSE" steht für "Programm- und Systementwicklung"], die bereits am 1. Oktober begonnen hat.
Von den rund 6.000 Beschäftigten [davon 2.800 in Österreich] in der Siemens-Entwicklungssparte sollen weltweit 800 in eine neue Tochtergesellschaft Siemens Enterprises Communications [SEC] ausgelagert werden
Verkauf offen
Die Unternehmensführung geht davon aus, "dass es eine vernünftige Lösung geben wird", erklärte Harald Stockbauer, Sprecher von Siemens-Chefin Brigitte Ederer.
Die Ausgliederung sei eine Konzernentscheidung. Ob die neue Sparte nach der Ausgliederung verkauft wird, stehe noch nicht fest. Arbeitsplätze seien aber nicht in Gefahr, sagte Stockbauer.
In der Gewerkschaft sieht man das anders. "Wer soll das schon kaufen", fragt Samadani. Entweder drohe der neuen Sparte dasselbe Schicksal wie der Handyerzeugung, die zunächst vom Konkurrenten BenQ übernommen und nun ein Jahr später in Konkurs geschickt wurde - oder ein Finanzinvestor übernehme die Patente und verlagere die weitere Produktion nach China, fürchtet der Betriebsrat.
Beim Handyhersteller BenQ Mobile verlieren rund 1.900 der 3.000 Beschäftigten ihre Jobs. BenQ will mit der verbliebenen Mannschaft Mobiltelefone für andere Marken produzieren. Die ehemalige Siemens-Handytochter wurde im vergangenen Jahr an den taiwanesischen BenQ-Konzern verkauft. Ende September stellte das Unternehmen einen Insolvenzantrag.
Zukunft der PSE ungewiss
Die Zukunft der PSE selbst ist unterdessen weiter ungewiss. Im Gespräch ist nach wie vor die Ausgliederung weiterer 3.000 PSEler - davon 1.200 in Österreich -, die für die Netzwerksparte Com-C, tätig sind. Sie könnten gemeinsam mit Com-C in das Joint Venture NSN mit Nokia abgespalten werden.
Die Softwaresparte an sich soll in einer neuen IT-Sparte Siemens IT Solutions & Services [SIS] mit dem Verlustbringer Siemens Business Services [SBS] zusammengespannt werden.
(APA)
