"Der vernetzte Kampfjet"

23.10.2006

Heute startet in Washington die weltgrößte Messe für Militärkommunikation, Milcom. Im Zentrum steht Informationsdominanz im "Netzwerkkrieg", die Skala reicht von Breitbandkommunikation via Sat zum Jet über "Mesh-Netzwerke" für Drohnenschwärme bis zu Störfeuer gegen zivile GSM-Netze.

Der Generalstab ...

Ganz im Zeichen des "Netzwerkkriegs", der schon seit mehreren Jahren als US-Militärdoktrin festgeschrieben ist, steht die Milcom 2006 in Washington.

Standesgemäß werden die Keynotes auf der weltgrößten Messeveranstaltung für militärische Kommunikation von Militärs im Generalstabsrang gehalten.

... und seine Admiräle

2006 sind das Vizeadmirälin Nancy Elizabeth Brown, die oberste Zuständige im Pentagon für die "vier Cs": "Command, Control, Communications, Computer Systems".

Konteradmiral Admiral Victor C. See ist der ranghöchste für Kommunikationssysteme zuständige Militär im Nationalen Büro für Aufklärung [National Reconnaissance Office, NRO].

"Informationsdominanz"

Einige Vorträge sind so geheim, dass nur US-Staatsbürger, die vorher vom Geheimdienst durchleuchtet wurden, ihrer teilhaftig werden können.

Dazu gehören Referate über "Permanente Überwachung zur See" und "Technologien zum Neutralisieren von Sprengfallen".

Die nicht ganz so geheimen Titel der "Unclassified"-Vorträge zeigen schon ziemlich klar an, wie der Wind durch die neuesten Kommunikationstechnolgien der Militärs weht. Netzwerke überall, Netzwerke um jeden Preis, um die "Informationsdominanz" der US-Streitkräfte noch auszuweiten.

31 GHz bis WiMax

Dazu bedient man sich zum einen bekannter militärischer Spezialtechnologien wie Ultrabreitband-Kommunikation im Bereich über 31 GHz vor allem zur Kommunikation zwischen Kampfjets und Satelliten.

Zum anderen werden für den Zivilbereich entwickelte Funkstandards wie WiMax sytematisch in die militärische Umgebung eingebettet, wo sie gebraucht werden können.

Booz Allen Hamilton

Zum Beispiel "WiMax als taktisches Kommunikationssystem für die letzte Meile", ein Doppelvortrag der Defense Information Systems Agency mit einer Vertreterin von Booz Allen Hamilton.

Die Beratungsfirma, die insgesamt 26 Vortragende auf der Milcom stellt, war von der internationalen Zentrale für Finanztransfers [SWIFT] beauftragt worden, als "unabhängige Audit-Firma" auf die korrekte Abwicklung der SWIFT-Datentransfers an die CIA zu achten.

"Unbemannte Luftvehikel", vermascht

Auffällig hoch ist die Zahl der Vorträge zu "Mesh-Netzwerken", eng vermaschten Subnetzen, in denen zum Beispiel "unbemannte Luftvehikel", also Drohnen, als Kollektiv kommunizieren.

Im Kriegsfall möchten die Militärs natürlich nicht nur eigene Netzwerke aufbauen, sondern auch zivile Infrastruktur zerstören. Im Referat der Syracuse Research Corporation heißt es:

GSM-Jamming

"Nach einem kurzen Überblick über GSM ... benützen wir Analyse und Simulation ..., um das optimale ...Störsignal gegen GSM herauszufinden. Wir weisen nach, dass die optimale Auslöschrate dem Rhythmus der GSM-Bursts entspricht."

Cisco, Intel, Platin

Unter den spendablen "Platinum Sponsors" der Militärmesse rangieren mit Cisco und Intel zwei Leitunternehmen der IT-Branche. Sie reihen sich neben den "üblichen Verdächtigen" aus dem militärisch-elektronischen Komplex der USA ein: Boeing, Northrop-Grumman, Raytheon, SAIC [Network Solutions, Verisign] und die britische BAE Systems.

Auffällig an der Konferenz ist die starke Präsenz europäischer Forschungsinstitute aus Frankreich, Belgien, Griechenland und sogar Russland. Sogar die Beijing University of Posts and Telecommunications ist dort, allerdings mit einem recht zivil klingenden Vortrag über SIP-Telefonie.

Weißwürste, Maßkrüge, NSA

Am Montag feiern Aussteller, Referenten und Admiräle in der Ausstellungshalle "Oktoberfest mit traditionellem Essen, Getränken, Musik und Dekorationen".

Die NSA ist auf der Messe übrigens auch vertreten, auf dem Stand mit der Nummer 333, die 666 ist nicht vergeben.

(futurezone | Erich Moechel)