Klingeltöne als Exportschlager aus Japan
Klingeltöne zur Individualisierung von Mobiltelefonen sind im Laufe des letzten Jahres zum lukrativen Geschäft geworden.
Allein in Japan und Europa haben die Konsumenten für die schrillen elektronischen Versionen ihrer Lieblingshits ungefähr eine Milliarde Euro ausgegeben.
Besonders in Japan läuft das Geschäft mit dem neuesten Gebimmel wie geschmiert, durchschnittllich 80 Millionen neue Klingeltöne werden jeden Monat bestellt.
Lizenzgebühren an Musikindustrie
Bezahlt werden die Klingeltöne entweder über einen Anruf bei
einer Mehrwertnummer oder über die monatliche Telefonrechnung. Die
Gebühren werden unter den Klingelton-Anbietern, Netzbetreibern und
der Musikindustrie aufgeteilt.
Klingeltöne retten die MusikindustrieLandesspezifische Copyright-Regeln
Während sich Klingeltöne in Japan hervorragend verkaufen lassen, stehen jenen japanischen Unternehmen, die ihren Erfolg im Ausland wiederholen möchten, teilweise unüberwindbare Hürden im Weg.
Das grundlegende Problem sind die landesspezifische Regeln der Urheberrechte für jene Lieder, auf denen die Ruftonmelodien beruhen. Das macht es aufwendig, zeitraubend und teuer, Klingeltöne legal auf den Markt zu bringen.
Denn gerade die Musikindustrie wittert in dem Klingelton-Boom ihre Chance, das zurückgehende Musikgeschäft mit Lizenzgebühren für den polyphonen Lieblingshit aufzufetten.
Soll bald Zehntel des EMI-Umsatzes ausmachen
"Das hat ein Riesenpotenzial", freut sich Jay A. Samit,
Vizepräsident für Neue Medien bei EMI Music. "Dieser Bereich
verzeichnet das größte Wachstum für die Musikindustrie." In den
kommenden Jahren will EMI bis zu zehn Prozent des gesamten Umsatzes
mit Klingeltönen verdienen.
EMIAbgelaufenes Copyright
Zwei Unternehmen musste schon bittere Erfahrungen mit dem Urheberrecht im Ausland machen.
Kyocera Communication Systems startete im Oktober 2002 ein eigenes Rufton-Service in Singapur. Statt der ursprünglich geplanten 7.000 Melodien werden bisher aber erst etwa 600 angeboten.
Da langwierige, komplizierte Verhandlungen mit vielen Rechteinhabern erforderlich gewesen wären, hat sich Kyocera einfach auf Songs beschränkt, deren Copyright schon ausgelaufen ist.
Weniger Hitparaden-Songs als geplant
Yamaha wollte bei seinem in Deutschland gestarteten Dienst
ursprünglich 80 Prozent der Ruftöne aus aktuellen Hitparaden-Songs
nehmen. Die Quote musste jedoch auf 60 Prozent reduziert werden, da
auch bei Nutzung eines Liedes in veränderter Form eine kleine Gebühr
anfällt.
Yamaha RingtonesExportschlager
Japans Industrie gibt jedoch noch nicht auf und verfolgt weiterhin das Ziel, die Ruftöne zum Exportschlager bei digitalem Content auszubauen.
Um das zu erreichen, fordern sie eine bessere Kooperation zwischen den Staaten in Bezug auf Copyright-Regeln.
Wegen des großen Andrangs im eigenen Land ist man von einem Weltmarktpotenzial in der zehnfachen Größe des heimischen Marktes überzeugt. Der Klingelton-Markt in Japan hat sich in den letzten drei Jahren von zehn auf 100 Mrd. Yen [etwa 780 Mio. Euro] verzehnfacht.
