Die Kreidezeit der Informationsgesellschaft
Das Hacken der WLAN-Netzwerke erfolgt im wahrsten Sinne des Wortes im Vorbeigehen oder auch Vorbeifahren: "Wardriving" und "Warwalking" lauten die einschlägigen Begriffe.
Im Sommer des Vorjahres ist noch ein weiterer Begriff dazugekommen: "Warchalking". Darunter versteht man ein speziell entwickeltes Zeichensystem, das dem Eingeweihten Auskunft über Sicherheitslücken von WLAN-Netzwerken gibt.
Wie in früheren Zeiten die sogenannten "Gaunerzinken" werden dabei mit Kreide Symbole an Hauswände oder auf Gehsteige gemalt und so Gebäude mit offenen Funk-Netzwerken markiert.
"Ich glaube, dass durch 'Warchalking' in der Öffentlichkeit ein Bewusstsein dafür entsteht, wie man sich mit sehr einfachen Mitteln selbst eine Infrastruktur für drahtlose Kommunikation schaffen kann", so Matt Jones, der selbst überrascht ist, dass seine Kreidekreise so weite Kreise zogen.
Markierung offener Funk-Netzwerke
Ein geschlossener Kreis bedeutet: Dieser Node ist geschlossen und
es besteht keine Möglichkeit, sich in das Funknetzwerk einzuklinken.
Zwei mit dem Rücken zueinander gewandte Halbkreise sind das am
häufigsten verwendete Warchalking-Symbol. Es steht für: Dieser Node
ist offen. Viel Spaß beim Einklinken! Ein geschlossener Kreis mit
dem Buchstaben "W" in der Mitte steht für: Dieser Accesspoint
überträgt Daten nur mit einer sogenannten WEP- oder Wired Equivalent
Privacy-Verschlüsselung, die der geübte Hacker allerdings knacken
kann.
warchalking.orgGaunerzinken der WLAN-Kultur
Matt Jones hat die Besucher seiner Website von Anfang an ermuntert, die Idee des "Warchalking" weiterzuentwickeln und selbst Symbole zu kreieren.
Im Hauptberuf arbeitet er als Informationsarchitekt für BBC Interactive und ist dort unter anderem für den Online-Auftritt der BBC zuständig.
Vor allem Provider und Mobilfunkbetreiber reagieren aber alles andere als erfreut, dass plötzlich Kreidezeichen an jeder Ecke freien Zugang zum Internet versprechen. Der britische Industrieverband ging sogar soweit, die Kreidekreise von Matt Jones als eine "implizite Aufforderung zu unverantwortlichen und illegalen Handlungen" zu bezeichnen.
Matt JonesHeute 22:30 im Ö1-Magazin matrix
Für die Zukunft erwartet Matt Jones eine Dynamisierung des Web,
die unser eng an den PC gekoppeltes Verständnis des World Wide Web
in Frage stellt. Richard Brem hat Matt Jones in London getroffen und
mit ihm über die Kunst des Informationsdesigns in öffentlichen und
virtuellen Räumen gesprochen.
matrix - computer & neue medien
