10.02.2003

LAOS WLAN

Bildquelle: AP

Mit dem Fahrrad ins Internet

Bisher bedeutete das dauerhafte Fehlen von Strom gleichzeitig auch die Unmöglichkeit, digitale Kommunikation zu betreiben.

Die Bewohner des Ortes Ban Phon Kam und die Nachbardörfer in Laos bekommen am Donnerstagnachmittag [Ortszeit] die Möglichkeit sich mit dem Rest der Welt über E-Mail, Telefon via Internet oder Chat in Verbindung zu setzen, und das, obwohl es in ihrem Dorf, mitten im Dschungel, weder Strom noch Telefon gibt.

Die Jhai Foundation

Ermöglicht wird das Ganze von der Jhai Foundation, die den Bewohner ein WLAN-Netzwerk und fünf mit Pedalkraft betriebene Computer zur Verfügung stellt.

Fünf Linux-PCs im Dschungel

Das System besteht aus fünf Rechnern, die bei Betrieb unter 20 Watt verbrauchen, bei Druckerbetrieb unter 70 Watt. Sie werden von fünf aus Indien importierten Fahrrädern mit Strom versorgt, wobei eine Minute Radeln rund fünf Minuten Stromversorgung bringt. Die so erzeugte Energie wird in Batterien zwischengespeichert.

Über ein Dutzend Computerspezialisten unter der Führung von Lee Felsenstein, der als Erfinder des ersten tragbaren Computers, des Osborne-1, gilt, haben die technische Umsetzung des Projektes ermöglicht. Sie haben auch den zum Einsatz kommenden Jhai-PC entwickelt.

Der Jhai-PC ist ein plastikummantelter PC, kleiner als ein Laptop, der an die speziellen klimatischen Bedingungen angepasst ist. Er besteht aus einem LCD-Schirm, einem Keyboard, einem Trackball und hat sonst keinerlei bewegliche Teile.

Statt einer Festplatte kommen Flash-Memory-Chips zum Einsatz, und auch der Prozessor ist schon eine ältere Generation, ein 486er nämlich. Bei Massenproduktion sollen die Kosten rund 400 USD betragen.

21 Dollar Kosten pro Monat

Als Betriebssystem kommt auf den Jhai-PCs eine laotische Version von Linux zum Einsatz, auch die Officetools sind in der Landesprache.

Die Jugendlichen erhalten ein Computertraining und sollen dann ihr Wissen an die anderen Bewohner weitergeben.

Neben der Kommunikation soll aber auch der wirtschaftliche Aspekt gefördert werden. So bekommen die Bewohner der Dörfer auch Schulungen und Hilfestellungen beim Einholen von Informationen über Verkaufspreise sowie beim Anbahnen von Geschäften sowie Verträgen.

Das Netzwerk soll im Betrieb monatlich rund 21 USD kosten, wobei für die Benutzung eine kleine Pauschale für Betreuung, Papier und Telefonkosten zu zahlen ist. Damit soll das Projekt nach dem Training unabhängig und selbsttragend werden.

Kritik an der Sinnhaftigkeit

Kritiker halten dem Projekt entgegen, dass das Land dringendere Probleme hat als das Fehlen von digitaler Kommunikation. Die Betreiber entgegnen, dass sie nur das tun, was die Bewohner selber gerne haben möchten und sie auch nur die Infrastruktur bereitstellen. Betrieben wird das Projekt dann von den Nutzenden selber.