09.02.2003

MATRIX FORUM

Bildquelle: ORF.at

Wie man Biometrie austrickst

Bankomatkarte, Handy, Kreditkarte, Computer, Mailbox, das Online-Banking Konto ¿ überall verschiedene Ziffern und Begriffe, die man sich alle merken muss. Der Körper-Code für alle Identifizierungsvorgänge birgt aber ein großes Risiko.

Wie die neue Bequemlichkeit auf Kosten der Sicherheit gehen kann, hat das deutsche Computermagazin c¿t schon vor geraumer Zeit aufgedeckt. Ob Fingerprint, Gesichtserkennung oder Iris-Scan, alle getesteten Produkte ließen sich von den Journalisten austricksen und hinters Licht führen.

Der Körper als ID-Card

Allein Kosten für den Aufbau der Infrastruktur für die Lesbarkeit der Visa mit biometrischen Merkmalen, die für die Einreise in die USA im nächsten Jahr vorgeschrieben sind, werden mit 3,2 Milliarden USD beziffert.

Auch der G8-Staatenbund drängt auf die biometrische Erfassung aller Reisenden. In einem Papier empfiehlt die G8-Arbeitsgruppe mit Nachdruck die Entwicklung eines "vollständigen gemeinsamen technischen Standards", auf dessen Basis alle Nationen der Welt eine maschinenlesbare Prüfung von Ausweisdokumenten mit körpereigenen Merkmalen einführen sollen.

Die neuen EU-Visa, die von April 2003 an auch in Deutschland ausgeben werden, sind bereits auf Biometrie geeicht.

Die datenschutzfreundliche Alternative?

Wenn die biometrischen Daten auf der Smart-Card abgelegt werden, wird mit dem Body-Check dann nur festgestellt, ob der Finger am Sensor oder das Gesicht in der Kamera auch tatsächlich mit dem Besitzer der Karte übereinstimmt, erklärt Horst Bischof, der sich an der Grazer TU am Institut für maschinelles Sehen und Darstellen tätig ist.

Die Karte selbst wird dabei zum Schlüssel der Zugang zu Türen oder Banknoten schafft. Und was passiert, wenn die Karte in falsche Hände gerät? Kein Grund zur Sorge, meint Bischof, denn mit den biometrischen Algorithmen allein lässt sich nichts anfangen.

Biometrische Systeme fälschungssicher zu machen, das müssen die Techniker bewerkstelligen.Das Recht auf Privatsphäre zu schützen und dem Datenmissbrauch vorzubeugen, ist aber nicht nur eine Aufgabe der Systemgestalter, so Horst Bischof.

"Das ist eine Entscheidung, die die Gesellschaft treffen muss, wo alle gefordert sind zu sagen, das will ich und das will ich nicht."

Heute 22:30 im Ö1-Magazin matrix

Die Palette biometrischer Zugangssicherungen reicht von Mäusen und Tastaturen mit integriertem Fingerabdruck-Scanner, Gesichterkennungssystemen via Webcam bis hin zu Scannern, die das individuelle Iris-Muster des Auges zur Identifizierung nutzen. Aber auch Handgeometrie, Stimmprofil oder Lippenbewegungen können als Schlüssel für Gebäude und Daten dienen.