23.01.2003

WIEN

Erster volldigitaler Herzschrittmacher

In Wien erfolgte heute die Präsentation des weltweit "ersten volldigitalen Herzschrittmachers".

Der Herzschrittmacher, der in Form der digitalen Signale exakt die Reizleitung des Herzens wiedergibt, wird nach Abschluss der internationalen Studie in ganz Europa allgemein verfügbar sein.

Die weltweite Erstimplantation findet Ende Jänner an der Grazer Universitätsklinik statt.

Schneller und genauer

Der Schrittmacher teilt schon beim Abrufen der Daten dem Behandler mit, ob die gewählte Programmierung den Bedürfnissen des Patienten entspricht. Verbesserungsvorschläge liefert der Schrittmacher selbstständig.

"Die Reprogrammierungszeit dauert weniger als zwei Sekunden", erklärte Rob J. W. ten Hoedt, Vice President und Generalmanager von Vitatron. Weiters werden sämtliche diagnostische Parameter wie Herzfrequenz und Herzrhythmus kontinuierlich erfasst und im Herzschrittmacher abgespeichert.

Die Genauigkeit der gespeicherten diagnostischen Daten sowie ein hochauflösendes intrakardiales EKG, das in Echtzeit am Monitor des Arztes zu sehen ist, werden durch eine Messfrequenz von 800 Hz ermöglicht. Herkömmliche Schrittmacher messen mit einer Frequenz von 100 bis 200 Messungen pro Sekunde.

Die bei Vitatron C60DR hohe Impulsdichte wirkt sich auch direkt auf die exaktere Diagnostik aus: "Wir können nun noch besser erkennen, wann und wie es zu Extrasystolen oder anderen Rhythmusstörungen gekommen ist oder wie oft der Patient im Beobachtungszeitraum die Unterstützung des Schrittmachers benötigt hatte", betonte der Herzchirurg Michael Anelli-Monti von der klinischen Abteilung für Herzchirurgie an der Universitätsklinik für Chirurgie in Graz.

Verfügbarkeit

Anelli-Monti begrüßt zudem die raschere Verfügbarkeit der gespeicherten Datenmenge. Bei herkömmlichen Schrittmachern würde das Abrufen der gespeicherten Daten bis zu acht Minuten dauern.

Das neue System benötigt acht Sekunden. Für den Patienten bedeutet das eine Zeitersparnis, da die Kontrollen weniger lange dauern.

Da die Elektronik eines einzigen Gerätes immer mehr Daten liefert, können sich Patienten zusätzliche Untersuchungen wie etwa ein 24-Stunden-Holter-EKG ersparen, was die Behandlungskosten reduziert.