Schwere Zeiten für Bluetooth
Noch vor zwei Jahren wurde Bluetooth als eine der wichtigsten Zukunftstechnologien gepriesen: Der drahtlose Funkstandard sollte binnen kürzester Zeit die automatische Vernetzung von PC-Peripherie, Handys, Handhelds und anderen elektronischen Geräten ermöglichen.
Derzeit allerdings sieht es nicht so aus, als würde Bluetooth jemals den gewünschten Erfolg erzielen.
Noch steht der Erfolg des Standards auf der Kippe. Microsoft ist dabei, Bluetooth in seinem aktuellen Betriebssystem Windows XP zu unterstützen. Apple hat die Unterstützung bereits implementiert und promotet die Verwendung der Technologie. Palm, größter Hersteller von Handhelds, wird demnächst ein Modell mit Bluetooth auf den Markt bringen.
"Die Bluetooth-Supporter hatten angenommen, die Technologie müsste bis jetzt weit verbreitet sein - doch das ist noch immer nicht eingetreten", fasst Joseph Tzeng, Manager beim Venture-Kapitalgeber Crystal Ventures, die Situation zusammen.
Bluetooth weit von Masseneinsatz entferntZu wenig Unterstützung durch Handyhersteller
Vor allem große Bluetooth-Player wie Ericsson und Nokia, die beide den Standard entscheidend mitentwickelt hatten, haben nicht schnell genug entsprechende Produkte gelauncht. "Bluetooth wurde mitten in eine schwere Zeit für die Industrie geboren", so Tzeng.
Bluetooth sollte auch Chipherstellern neuen Aufschwung verleihen - doch derzeit warten die Industriegrößen ab, während kleine Firmen mit neuen Produkten auf den Markt kommen. Im November des Vorjahres schloss Cambridge Silicon Radio einen Vertrag mit Samsung über mehrere Millionen Bluetooth-Chips ab, die in Notebooks und Handhelds eingebaut werden sollen.
Das Unternehmen zählt bereits Motorola, Microsoft, Sony, Compaq, IBM, Fujitsu, 3Com und Siemens zu seinen Kunden.
Cypress Semiconductor hat kürzlich seinen "CY694X"-Chip vorgestellt, der letztlich in Steckvorrichtungen für den USB-Port landen und weniger als 3,5 USD kosten soll. Der Chip basiert allerdings nicht auf Bluetooth, sondern auf einer Technologie im freien 2,4-Gigahertz-Band und ist signifikant billiger. Er soll vor allem in drahtlosen Tastaturen, Mäusen und Joysticks eingesetzt werden, wo Bluetooth Overkill wäre.
Größte Konkurrenz ist WLAN
Die größte Konkurrenz stellt allerdings Wireless LAN dar, die erfolgreiche Technologie zum Vernetzen von PCs, Handhelds und Laptops. Durch die demnächst erfolgende Einführung von "802.11g" wird die Geschwindigkeit von elf auf 54 Megabit pro Sekunde gesteigert, die Hersteller haben allerdings bereits jetzt entsprechende Produkte auf dem Markt.
WLAN stellt derzeit einen der größten Wachstumsmärkte der IT-Industrie dar. Chipindustrie, Software- und Peripheriehersteller setzen ihre Hoffnungen auf die rasant wachsende Verbreitung der drahtlosen Netzwerktechnologie.
"In einer idealen Welt würde es drei Arten drahtloser Technologie geben: Bluetooth für Kleingeräte, Fernbedienungen, Autos; WLAN für Computernetzwerke und Internet-Zugang sowie 3G für Audio- und Videostreaming", meint Tzeng.
Eine Möglichkeit, Bluetooth zu retten, wäre die Integration von WLAN und Bluetooth in einem Chip. Technisch gesehen ist das jedoch schwierig zu realisieren, da sich die beiden Technologien in puncto Datenfluss und Frequenzhopping in die Quere kommen.
