07.01.2000

KOMPLIZIERT

Bildquelle: torvalds

Linux, China, Strategie und Enten

Die Meldung, die chinesische Regierung habe Windows verbannt und stattdessen angeordnet, ausschließlich "Red Flag - Linux" zu verwenden, ist offensichtlich eine lancierte Ente.

Das Informationsindustrie-Ministerium hat ein entsprechendes Dementi veröffentlicht.

Unklar sind allerdings die Hintergründe: Denkbar ist, dass zwei Interessengruppen im chinesischen Regierungsapparat die öffentliche Meinung benutzen, um Stimmung für ihre Positionen zu machen.

Eine andere Möglichkeit ist, dass die Zentralregierung durch die Falschmeldung ausländischen Unternehmen [also in diesem Fall in erster Linie Microsoft] die Arbeit in China erschweren wollte - eine Taktik, die angeblich des Öfteren angewandt wird.

Angewandte Desinformationspolitik

Schon am 10. November ging die Meldung, China hätte Linux zum offiziellen Betriebssystem der Volksrepublik gemacht, durch das Netz.

Damals schätzte die Futurezone die Meldung richtig als Ente ein, da keine Primärquelle zu finden war.

Die gestrige Meldung war aber eindeutig zu einem von Reuters-China bestätigten Artikel der Yangcheng Evening News zurückzuverfolgen.

Die Falschmeldung:

Die chinesische Regierung will Microsofts Windows 2000 von allen staatlichen Rechnern verbannen: Statt eines Updates sollen Regierungs- und Verwaltungsstellen auf die chinesische Entwicklung [in Kooperation mit Compaq] "Red Flag - Linux" umstellen.

Der Schritt soll vor allem die Abhängigkeit von ausländischen Betriebssystemen begrenzen, aber auch Geld sparen.

Erst im Dezember hat Red Hat ein Expansions-Programm vorgestellt, mit dem Linux Windows als führendes Betriebssystem in China ablösen soll - und Red Hat ein Stück von dem boomenden Markt erschließen, der bis jetzt von TurboLinux dominiert wird.

Richtig bleibt allerdings:

Linux ist in China aus mehreren Gründen beliebt: Zum einen, weil es kostenlos ist, zum anderen, weil die chinesische Regierung schon bisher starke Bedenken gegen Microsofts Windows und andere kommerzielle Systeme hatte.

Sie befürchtet bei diesen vor allem Hintertüren, welche die amerikanische Regierung im Konfliktfall gegen China nutzen könnte.

Der "Informationskrieg" wird in der Volksrepublik sehr ernst genommen, er wird sogar als reguläres Fach an mehreren Universitäten gelehrt.