19.01.2003

MR. WILLIAMS

Bildquelle: APA

Plattenbosse ohne Konzept gegen Downloads

Die internationale Musikmesse Midem öffnet heute in Cannes ihre Pforten. Auf dem fünftägigen Branchentreff wollen Experten von Plattenfirmen und Musikverlagen über Wege aus der Krise der Musikindustrie diskutieren.

Und auch Popstar Robbie Williams hat sich am Rande der Messe zum Thema illegaler Downloads geäußert - und dabei instinktsicher die Meinung vieler Musikkonsumenten angesprochen:

Williams rief Fans in aller Welt zum illegalen Herunterladen seiner Musik aus dem Internet auf: "Das ist eine großartige Sache, ehrlich. Es gibt nichts, was irgendjemand dagegen tun könnte", sagte er in Cannes.

"Eine Menge heißer Luft"

"Ich bin sicher, dass mich meine Plattenfirma EMI für diese Aussage hassen wird - und mein Management und meine Buchhalter", fügte Williams grinsend hinzu - der Sänger hat erst im letzten Herbst seinen Vertrag bei EMI für rund 127 Milllionen Euro um fünf Jahre verlängert.

Zur gleichen Zeit diskutierten rund 1.000 Fachleute auf dem eintägigen Kongress Midemnet in Cannes über Wege, die Online-Musikpiraterie einzudämmen, die der Musikindustrie jährlich Millionenverluste bringt.

Nach Meinung des britischen Entertainers gibt es aber kein Rezept dagegen. "Als ich nachfragte, bekam ich eine Menge heißer Luft. Die Plattenbosse wissen nicht, was sie dagegen tun könnten."

Einbrüche beim Verkauf seiner Platten fürchtet er durch illegale Downloads nicht. "Mein Album 'Escapology' hat sich bisher fünf Millionen Mal verkauft, jetzt könnt Ihr es Euch gern umsonst holen."

Die Äußerungen Williams illustrieren den Spagat zu dem die Branche derzeit gezwungen wird exemplarisch: Einerseits muss sie Mittel gegen die Umsatzeinbussen finden, andererseits auf die Befindlichkeit ihrer Kunden besondere Rücksicht nehmen, da sich ihre Produkte zum großen Teil über Images verkaufen.

Ermäßigte Mehrwertsteuer für CDs

Midem-Chef Paul Zilk hat unterdesssen die Forderung nach einer ermäßigten Mehrwertsteuer für CDs und Platten bekräftigt:

"Je niedriger die Mehrwertsteuer ist, desto mehr hilft es der gebeutelten Musikindustrie", sagte er in Cannes angesichts eines weltweiten Umsatzeinbruchs von rund zehn Prozent im vergangenen Jahr.

Plattenindustrie, Verleger und Verwertungsgesellschaften setzen sich seit geraumer Zeit für eine Senkung der Mehrwertsteuer für Musikprodukte in Europa ein - analog der für andere Kulturgüter.