Plattenbosse ohne Konzept gegen Downloads
Die internationale Musikmesse Midem öffnet heute in Cannes ihre Pforten. Auf dem fünftägigen Branchentreff wollen Experten von Plattenfirmen und Musikverlagen über Wege aus der Krise der Musikindustrie diskutieren.
Und auch Popstar Robbie Williams hat sich am Rande der Messe zum Thema illegaler Downloads geäußert - und dabei instinktsicher die Meinung vieler Musikkonsumenten angesprochen:
Williams rief Fans in aller Welt zum illegalen Herunterladen seiner Musik aus dem Internet auf: "Das ist eine großartige Sache, ehrlich. Es gibt nichts, was irgendjemand dagegen tun könnte", sagte er in Cannes.
Die Musikbranche musste im vergangenen Jahr einen weltweiten Umsatzrückgang von rund zehn Prozent verkraften. Die mehr als 9.000 Fachbesucher aus fast 100 Ländern erhoffen sich von der Messe Antworten auf drängende Fragen: Wie kann mit Musik im Internet Geld verdient werden? Wie können Plattenverkäufe angekurbelt werden? Und wie lassen sich die Urheberrechte von Musik besser schützen? Die Midem ist neben der Kölner Popkomm einer der größten Branchentreffs der Welt.
Midem im Zeichen des Kopierschutzes"Eine Menge heißer Luft"
"Ich bin sicher, dass mich meine Plattenfirma EMI für diese Aussage hassen wird - und mein Management und meine Buchhalter", fügte Williams grinsend hinzu - der Sänger hat erst im letzten Herbst seinen Vertrag bei EMI für rund 127 Milllionen Euro um fünf Jahre verlängert.
Zur gleichen Zeit diskutierten rund 1.000 Fachleute auf dem eintägigen Kongress Midemnet in Cannes über Wege, die Online-Musikpiraterie einzudämmen, die der Musikindustrie jährlich Millionenverluste bringt.
Nach Meinung des britischen Entertainers gibt es aber kein Rezept dagegen. "Als ich nachfragte, bekam ich eine Menge heißer Luft. Die Plattenbosse wissen nicht, was sie dagegen tun könnten."
Einbrüche beim Verkauf seiner Platten fürchtet er durch illegale Downloads nicht. "Mein Album 'Escapology' hat sich bisher fünf Millionen Mal verkauft, jetzt könnt Ihr es Euch gern umsonst holen."
Die Äußerungen Williams illustrieren den Spagat zu dem die Branche derzeit gezwungen wird exemplarisch: Einerseits muss sie Mittel gegen die Umsatzeinbussen finden, andererseits auf die Befindlichkeit ihrer Kunden besondere Rücksicht nehmen, da sich ihre Produkte zum großen Teil über Images verkaufen.
Die Musikindustrie kann nach Ansicht des US- Branchenverbandes RIAA nur durch stärkere Zusammenarbeit von Plattenfirmen, Verlegern und Künstlern im Kampf gegen Online-Piraten bestehen.
"Alle für einen" im Kampf gegen PiratenErmäßigte Mehrwertsteuer für CDs
Midem-Chef Paul Zilk hat unterdesssen die Forderung nach einer ermäßigten Mehrwertsteuer für CDs und Platten bekräftigt:
"Je niedriger die Mehrwertsteuer ist, desto mehr hilft es der gebeutelten Musikindustrie", sagte er in Cannes angesichts eines weltweiten Umsatzeinbruchs von rund zehn Prozent im vergangenen Jahr.
Plattenindustrie, Verleger und Verwertungsgesellschaften setzen sich seit geraumer Zeit für eine Senkung der Mehrwertsteuer für Musikprodukte in Europa ein - analog der für andere Kulturgüter.
In Deutschland gilt derzeit beispielsweise ein allgemeiner Mehrwertsteuersatz von 16 Prozent; für bestimmte Güter wie Bücher, Zeitschriften und Zeitungen, aber auch Konzerte und Theateraufführungen wird jedoch der ermäßigte Satz von 7 Prozent erhoben.
Midem
