05.01.2003

PAKISTAN

Bildquelle: ORF.at

Peinliche Datenpanne des FBI

Angeblich hat das FBI jene Fahndungsfotos, unter denen sich auch das Bild eines offenbar unbeteiligten pakistanischen Geschäftsmanns befindet, von einem in Kanada verhafteten Schlepper erhalten.

In Kanada befinden sich möglicherweise auch die kompletten Daten der letzten pakistanischen Volkszählung samt Fotos der Gezählten. Diese und andere Datensätze werden gerade im Auftrag der pakistanischen Regierung eingelesen und zusammengeführt. Ziel ist ein "National Data Warehouse" das unter anderem "Bürgercards" also maschinenlesbare Ausweise produziert.

Die Bilder gingen nach dem Jahreswechsel um die Welt. Von CNN bis BBC zeigten die internationalen Nachrichtenkanäle einen pakistanischen Goldschmied, umringt von aufgebrachten Freunden und internationalen Kamerateams, der das FBI anklagte, sein Leben zu ruinieren.

Tatsächlich ist ein Foto, das diesen Mohammed Asghar zeigt, auf einer Liste des FBI im Internet erschienen. Insgesamt sind es fünf Personen, die dringend verdächtigt sind, illegal in die USA eingereist zu sein.

Pakistans "Bürgerdatenbank" in Kanada

Zum Zeitpunkt des angeblichen illegalen Grenzübertritts sei er in Lahore einkaufen gewesen, sagte Asghar, dafür gebe es Zeugen. Die anderen gesuchten Personen habe er noch nie gesehen. Das FBI gab an, die Fotos stammten von einem in Kanada verhafteten Mann, welcher der Schlepperei verdächtig sei.

Andere, etwas umfassendere Auskunftsquellen über pakistanische Staatsbürger stehen freilich in weitaus engerer Verbindung zu Kanada und den USA.

Webhosting für die offizielle "Bürgerdatenbank" der Regierung zur Erfassung jedes einzelnen Pakistanis [NADRA] stellt nämlich das kanadische Unternehmen tera-byte.com.

64 Millionen Datensätze

Die Volkszählungsdaten samt Fotos werden laufend gescannt und in Urdu eingelesen, sie stellen die Grundlage für die künftige, pakistanische "Bürgercard" dar, ist auf der Website zu lesen. Die Datenbank enthält bereits jetzt 64 Millionen Datensätze In einer ersten Stufe werden maschinenlesbare Pässe für Auslandsreisen produziert.

In diesem "National Data Warehouse" würden künftig sämtliche Datenbanken von Militär über "Federal Intelligence Agency" bis zum Finanzministerium vernetzt, wenn es nach den "Visionen" der pakistanischen Militärmachthaber geht.

FBI goes Lahore

Da man auf soviel Öffentlichkeit reagieren musste, sind FBI-Agenten nach Angaben der Behörde mittlerweile nach Lahore gereist.

Man wolle Asghar persönlich in dieser Angelegenheit befragen, hiess es, wenn er bereit sei, mit dem FBI zu sprechen.