Games made in Austria
Die Game-Branche ist am aufsteigenden Ast, nicht nur in den USA. Auch in Österreich gibt es Firmen, die auf dem Weltmarkt mitspielen wollen.
Die Computerspielindustrie hat vom Umsatz her Hollywood bereits hinter sich gelassen. So geht die Mär. Doch so ganz stimmt das nicht.
Die Industrie wächst zwar kontinuierlich, aber die Einspielergebnisse der US-Kinos liegen weiter vor denen der Computerspiele, weiß Aphra Kerr, eine irische Kommunikationswissenschaftlerin, die vor kurzem das Buch "gamework/gameplay" veröffentlicht hat und darin einen Ein- und Überblick über die Kultur und die Industrie der Computerspiele gibt. "In diesen Statistiken werden einfach Software, Peripheriegeräte und Hardware zusammengezählt. Es wird also nicht Gleiches mit Gleichem verglichen."
Zehn Milliarden US-Dollar für Games
2004 wurden in den USA 7,3 Milliarden Dollar für Computerspiele und Software ausgegeben. Wenn man die Hardware und das Zubehör dazurechnet, kommt man auf rund zehn Milliarden US-Dollar. Im Vergleich dazu: Die Kino-Einspielergebnisse ergaben rund 9,5 Milliarden US-Dollar.
Also doch um einiges mehr als beim reinen Computerspielverkauf. Im Jahr 2010 wird für die Computerspielbranche ein Umsatz von rund 35 Milliarden US-Dollar erwartet. Regiemeister wie Steven Spielberg, den die Firma Electronic Arts für drei Spiele engagiert hat, und Peter Jackson, der für Microsoft arbeitet, sollen für diesen Zuwachs sorgen.
Innovative Einnahmequellen
Auch wenn die Gewinne in Zukunft steigen werden, muss die Industrie das Problem der hohen Produktionskosten in den Griff bekommen, meint Hannes Seifert. Er war jahrelang Spieleentwickler bei der österreichischen Spielefirma Rockstar Vienna.
Wichtige Einnahmequellen sind Product-Placement und Werbung. Die Geschäftsideen der innovativen Spieleschmieden reichen von verkauften Werbeplakatwänden in Autorennspielen bis hin zu Micropayment-Modellen. Diese Methoden im Spiel einzusetzen, bringt nicht nur der Industrie einen Mehrwert, auch die Entwickler profitieren davon.
Harald Riegler von der österreichischen Spielefima Sproing hat durchwegs gute Erfahrungen damit gemacht. "Es ist eine Gelegenheit, dass Teile von den Erlösen direkt an die Entwickler gehen und nicht bei den Verlagen versickern."
Standort Österreich
Um sich gegen die Branchengrößen behaupten zu können, werden neue Geschäftsmodelle immer wichtiger, meint Seifert. In Zukunft wird es vermehrt Spezialisten und spezialisierte Unternehmen geben. "Der Standort Österreich hat dafür die besten Voraussetzungen. In den letzten zehn Jahren hat sich ein großes Potenzial an Entwicklern herangebildet, das sich in Zukunft auch international profilieren kann."
Dass Österreich ein fruchtbarer Boden für die Produktion von Computerspielen ist, haben Firmen wie Greentube, Sproing, Rockstar Vienna und JoWooD in den letzten Jahren bereits bewiesen. Junge Unternehmer werden durch Förderungen wie den WAFF und "departure" unterstützt, den Traum von der eigenen Computerspielproduktion zu verwirklichen.
Und seit kurzem kann man sich auch in Österreich zum professionellen Game-Designer ausbilden lassen.
Ein Beispiel dafür ist avaloop, ein junges Unternehmen, das mit einem neuen Spiel im März nächsten Jahres den Markt erobern will. "Papermint" spielt in einer Welt aus Papier im Stil der 70er Jahre. Die Charaktere ähneln Figuren zum Ausschneiden. Das Spiel lädt ein, kommunikative Fähigkeiten in einer virtuellen Welt auszuprobieren. Im März nächsten Jahres sollen die ersten Spiele im Regal stehen.
Heute, 22.30 Uhr im Ö1-Magazin "matrix"
Wie werden Computerspiele hergestellt? Wie lassen sich die meist hohen Produktionskosten hereinspielen? Von verkauften Werbeplakatwänden in Autorennspielen bis hin zu Micropayment-Modellen reichen die Geschäftsideen der innovativen Spieleschmieden. Astrid Schwarz hat dem Wiener GamesCollege einen Besuch abgestattet und sich auf dem österreichischen Computerspielemarkt umgesehen.
"Matrix" zum Download für Ö1-Clubmitglieder
http://oe1.orf.at/club/downloads/suche?wort=matrix
(matrix | Astrid Schwarz)
