Der Gameboy als Musikinstrument
Die Fähigkeit der Gameboy-Konsolen, Musik wiederzugeben, hat Programmierer auf eine Idee gebracht: Sie haben eigene Zusatzprogramme entwickelt, mit deren Hilfe sich der Gameboy kreativ mißbrauchen und in ein Musikinstrument verwandeln läßt.
Zu diesen Musikprogrammen zählen unter anderem "Little Sound DJ" und das in Wien von Chris Kummerer entwickelte "Pocket Noise".
Das bekannteste und am weitesten verbreitete Programm ist aber "Nanoloop", das der Programmierer Oliver Wittchow am Rechenzentrum der Universität Hamburg ausgetüftelt hat.
Musizieren auf der Mini-Konsole - so funktioniert es
Statt eine Cartridge mit Spielen in den Gameboy hineinzustecken,
gibt man eine Cartridge mit einem Musikprogramm hinein und
verwandelt den Gameboy dadurch in einen Synthesizer/Sequencer. Da
"Nanoloop" zum Beispiel ein reines Software-Produkt und auf einer
normalen Spiele-Karte gespeichert ist, läuft es auf jedem Gameboy
ohne zusätzliche Hardware. Durch die Flexibilität der Sound-Chips
und das Software-Syntheseverfahren ist es möglich, nicht nur
videospieltypisches Piepsen und Rauschen zu strukturieren, sondern
auch Bässe, Beats und Synthesizerklänge zu erzeugen und in Echtzeit
zu bearbeiten.
Nanoloop"Hot Gameboy Music Club"
Im Wiener Szene-Lokal "Rhiz" trifft sich einmal im Monat der "Hot Gameboy Music Club", um gemeinsam und öffentlich zu musizieren. Natürlich auf Gameboys.
Am Beginn eines Auftritts der Gameboy-Spielegemeinschaft steht zumeist eine kurze Einschulung, um das Publikum und potentielle Mitspieler mit den Grundlagen des Musizierens auf der Mini-Konsole vertraut zu machen.
Anschließend wird dann in verschiedenen Alterklassen musiziert. Achtjährige sind dabei ebenso mit von der Partie wie 50-Jährige, Männer genauso wie Frauen und erfahrene Musiker genauso wie Amateure und Anfänger.
"Neue Volksmusik"
Gegründet wurde der Club von den befreundeten Musikern Wolfgang
Kopper und Herbert Weixelbaum. Sie verfolgen mit ihrer
Gameboy-Initiative auch ein höheres Ziel, nämlich: die Lust am
Musizieren mit ungewöhnlichen Instrumenten und das Verständnis für
neue, elektronische Formen von Volksmusik zu wecken.
Hot Gameboy Music ClubC64-Gamesounds als Vorläufer
Der C64 von Commodore war eine der ersten Spielekonsolen, die Einzug in die Wohn- und Kinderzimmer hielt. Für die Generation, die Mitte und Ende der 80er Jahre aufgewachsen ist, sind C64-Spiele wie "Summer Games", "Raid over Moscow" oder "Zak McKracken" ein unauslöschlicher Teil ihrer Kindheits- und Jugenderinnerungen geworden.
Jeder Ladevorgang dieser C64-Games war damals von Melodien begleitet, die eigens dafür komponiert worden waren. In den C64 eingebaut war ein technisch überaus simpler Soundchip [SID-Chip], der einen unverwechselbaren, wenn auch für heutige Klangvorstellungen sehr dürftigen Sound erzeugte.
Gerade die technischen Beschränkungen des Soundchips verliehen den Titelmelodien der C64-Games allerdings einen Trashfaktor und einen Charme, den sie bis heute behalten haben.
Rund um diese C64-Spielemelodien und den technisch völlig antiquierten Soundchip hat sich eine eigene Retro-Szene gebildet - im Internet kann man Emulatoren downloaden und es werden eigene Parties veranstaltet, wo zu typischen C64-Sounds Kindheits- und Jugenderinnerungen aufgefrischt werden. Großer Nachfrage erfreuen sich auch CDs, auf denen die C64-Ohrwürmer im Original-Sound bzw. mit moderner Studiotechnik eingespielte Remixes davon zu hören sind. Im Mittelpunkt dieser Retro-Szene steht der englische Musikproduzent und C64-Komponist Chris Abbott mit seiner Website
C64audio.com"Games & Sounds" - um 22:30 in "matrix" auf Ö1
Interviews mit Chris Abbott und den Initiatoren des "Hot Gameboy
Music Club" waren in der heutigen "matrix"-Sendung zu hören, für die
Richard Brem in London und Wien eine Bestandsaufnahme der sehr
lebendigen Subkultur im Bereich der Computerspiele-Musik vorgenommen
hat.
matrix
