17.12.2002

BAD MOOD

Bildquelle: Winamp

Ein schlechtes Jahr für die Musikindustrie

2002 wird der Musikindustrie als schlechtes Jahr in Erinnerung bleiben.

Zum dritten Mal in Folge wird der Umsatz der deutschen Musikkonzerne in der Größenordnung von zehn Prozent schrumpfen. Hauptgrund sind nach Einschätzung des Bundesverbands der Phonographischen Wirtschaft Hunderte von Millionen illegal kopierter CDs.

Hinzu komme das kostenlose Herunterladen von MP3-Files aus dem Internet, so die Industrie.

Tauschbörsen nicht kleinzukriegen

Doch die CD brachte auch das Unheil mit sich: Seit es preiswerte CD-Brenner gibt, lässt sich digitale Musik schnell und einfach vervielfältigen.

Im Jahr 2001 überstieg die Zahl der mit Musik bespielten Rohlinge erstmals die der verkauften CDs. Eifrig unterstützt die Industrie Razzien auf Flohmärkten, die Musikpiraten das Handwerk legen sollen. Im Internet registrierte der Phonoverband 2001 allein in Deutschland 500 Millionen illegaler Downloads.

"Wenn wir nur ein Prozent davon als Singles verkauft hätten, wäre das schon ein Superkick gewesen", meint Sprecher Hartmut Spiesecke. Die Industrie überzieht die oft in den USA ansässigen Tauschbörsen daher mit Klagen.

Doch das Netz ist schneller: Wenn bei Audiogalaxy nichts mehr geht, sind Kazaa oder Imesh nur einen Mausklick entfernt. Pech für die Kläger: Die Muttergesellschaft von Kazaa sitzt im Südsee-Inselstaat Vanuatu, der kein Rechtshilfeabkommen mit anderen Ländern hat.

Kommerzielle Dienste ein Flop

Musikkonzerne starteten unter Namen wie Rhapsody, Pressplay und Popfile legale Dienste. Doch Experten bezweifeln, dass die Nutzerzahlen auch nur annähernd an die der illegalen Seiten herankommen.

Urheberrecht und Radioquote

Um aus dem Umsatztief wieder herauszukommen, setzt der Phonoverband unter anderem auf das neue Urheberrecht, den weiter expandierenden DVD-Markt und eine Radioquote für neue Songs.

Kritiker halten der Industrie hingegen mangelnde Kreativität vor: Die CD sei immer noch ein Einheitsprodukt, das in der bestehenden Form entweder zu teuer sei oder zu wenig Mehrwert biete.

Kleine Labels wie Winter & Winter in München setzen stattdessen auf aufwendig produzierte CDs ["Hörfilme"] mit spezieller Verpackung und Booklets, die oft von bekannten Künstlern gestaltet werden. Gewisse Extras, die sich eben nicht in digitale Form gießen oder kopieren lassen.