Das digitale Biedermeier
"Ich habe ein Problem mit dem ganzen Konzept Privatheit", so David Lyon, der an der kanadischen Universität "Queens" in Kingston Soziologie lehrt.
"Wenn wir über informationelle Selbstbestimmung reden, dann fühle ich mich schon besser. Denn dann reden wir darüber, wie wir die Verwendung von Daten durch Dritte kontrollieren können."
Seit der Elektrifizierung sei "das Private" nur mehr eine Illusion, meint David Lyon. Es gehe schon längst nicht mehr um Selbstbestimmung, sondern vielmehr um Identifizierung, Katalogisierung und soziale Ausgrenzung.
"Unsere Möglichkeiten zur Ausübung von Kontrolle nehmen nicht nur ab, sie werden uns auch immer mehr entzogen. Dafür sorgen nicht nur Regierungen oder Polizei, sondern auch Firmen wie Microsoft und Intel. Die kodieren ihre Software bereits um, sodass wir immer weniger Einfluss darauf haben, was über uns an die Öffentlichkeit dringt."
Surveillance Society
Die Überwachungsgesellschaft, unterstützt von einer boomenden
Elektronik-Ökonomie, ist mittlerweile ein beliebtes Studienobjekt
geworden, so etwa für den kanadischen Soziologen David Lyon, Autor
der Studie "The Electronic Eye. The Rise of Surveillance Society".
David LyonVon der Straße in den Cyberspace
Joanne Richardson, Medientheoretikerin und eine der Masterminds hinter den, von nettime organisierten, "next five minutes" Konferenzen, war auch Vortragende am Symposium digitalBIEDERMEIER im Wiener WUK. ¿
Sie konstatiert eine Erosion des Öffentlichen und Privaten. Wenn Technik entweder Emanzipation oder Überwachung ermöglicht, müssen die neuen Technologien taktisch eingesetzt werden. Es gilt, das gestalterische Potenzial zu nutzen und neue Räume zu betreten, meint Joanne Richardson.
Unter dem Motto "Digital Biedermeier" beleuchtet matrix das neue Lebensgefühl mit all seinen Widersprüchlichkeiten.
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