Software errechnet Sportergebnisse
Menschliche Spieler, die Sportwetten platzieren, müssen sich bei ihren Tipps derzeit noch auf ihr Gespür verlassen. Eine neue Software könnte das bald ändern, sie soll wesentlich genauere Vorhersagen der Ergebnisse möglich machen.
Die intelligente Software wurde von Alan McCabe, IT-Forscher an der James Cook University, ursprünglich für die australische Rugby League entwickelt. Sie kann jedoch auch für andere Sportarten wie Fußball adaptiert werden.
Fußballweltmeister richtig vorhergesagt
Auch die Wissenschaftler der Universität von Ulster haben im
Vorfeld der Fußballweltmeisterschaft in Japan und Korea über eine
Computersimulation den vermeintlichen Gewinner errechnet. Der
Computer sollte Recht behalten. Er lag zwar mit einem
prognostizierten Finale zwischen Italien und Brasilien leicht
daneben, setzte jedoch darauf, dass die Brasilianer als Sieger
hervorgehen.
Computer errechnet Fußball-WeltmeisterNeurales Netzwerk errechnet Ergebnis
Der Wettkönig mit der künstlichen Intelligenz, kurz "MAIT" für "McCabes Artificially Intelligent Tipper", ist eigentlich als Nebenprodukt der Arbeit an einem Handschrifterkennungssytem enstanden.
Doch statt mit Daten über verschiedene Schriftbilder und Schreibgeschwindigkeiten zur Verifizierung von Unterschriften gefüttert zu werden, nutzt MAIT sein neurales Netzwerk nun, um zu lernen, welche Merkmale einer Mannschaft diese zu Gewinnern machen.
Ein neurales Netzwerk ist ein Computersystem, das lernen kann, welche Kombinationen der eingegebenen Daten [zum Beispiel Statistiken über die Performance eines Teams] zu einem bestimmten Output [zum Beispiel den Gewinnchancen eines Teams] führen.
Die Inputs für das Netzwerk können dabei verschieden gewichtet werden, um den Einfluss der Daten je nach Bedeutsamkeit zu reihen.
Die Software wurde vergangene Woche erstmals auf der AI '02, einer Artificial-Intelligence-Konferenz in Canberra, präsentiert.
AI '02Zahlenverarbeitung ohne Gefühle
Einen oft bedeutenden Punkt kann der Computer in seinen Berechnungen nicht berücksichtigen, er anerkennt nicht den Einfluss eines so genannten Starspielers auf den Rest der Mannschaft.
Fällt genau dieser Star eines Teams aus, hat das meist auch Folgen für die Moral der restlichen Truppe oder motiviert zumindest die Gegner. Das wirkt sich auch auf die Wettquoten aus.
Doch McCabe betont, dass genau diese subjektiven Einschätzungen oft zu Fehlinterpretationen führen und die Software deswegen extra programmiert wurde, jegliches subjektive Empfinden auszuschließen.
Aus MAIT wird nie ein Fußballfan
"Ein Wissenschaftler muss immer zu seiner Forschungsarbit stehen,
und das kann manchmal wirklich hart sein. MAIT zwang mich teilweise
gegen meine Lieblingsmannschaft zu wetten. Er behielt zwar Recht,
aber Fan-Loyalität ist wohl etwas, was ein Computer nie verstehen
wird", erklärt McCabe.
My MAITErfolgsquote von 70 Prozent
Der Erfolg scheint der objektiven Analyse Recht zu geben.
In der diesjährigen Rugby-Saison wurde MAIT mit sämtlichen Daten eines australischen Buchmachers gefüttert und trainiert.
Seine Erfolgsquote von knapp 70 Prozent übertrifft bereits jetzt die der erfolgreichsten gewerbsmäßigen Spieler - und McCabe hält eine weitere Steigerung durchaus für möglich.
