12.12.2002

WETTKÖNIG

Bildquelle: PhotoDisc

Software errechnet Sportergebnisse

Menschliche Spieler, die Sportwetten platzieren, müssen sich bei ihren Tipps derzeit noch auf ihr Gespür verlassen. Eine neue Software könnte das bald ändern, sie soll wesentlich genauere Vorhersagen der Ergebnisse möglich machen.

Die intelligente Software wurde von Alan McCabe, IT-Forscher an der James Cook University, ursprünglich für die australische Rugby League entwickelt. Sie kann jedoch auch für andere Sportarten wie Fußball adaptiert werden.

Neurales Netzwerk errechnet Ergebnis

Der Wettkönig mit der künstlichen Intelligenz, kurz "MAIT" für "McCabes Artificially Intelligent Tipper", ist eigentlich als Nebenprodukt der Arbeit an einem Handschrifterkennungssytem enstanden.

Doch statt mit Daten über verschiedene Schriftbilder und Schreibgeschwindigkeiten zur Verifizierung von Unterschriften gefüttert zu werden, nutzt MAIT sein neurales Netzwerk nun, um zu lernen, welche Merkmale einer Mannschaft diese zu Gewinnern machen.

Ein neurales Netzwerk ist ein Computersystem, das lernen kann, welche Kombinationen der eingegebenen Daten [zum Beispiel Statistiken über die Performance eines Teams] zu einem bestimmten Output [zum Beispiel den Gewinnchancen eines Teams] führen.

Die Inputs für das Netzwerk können dabei verschieden gewichtet werden, um den Einfluss der Daten je nach Bedeutsamkeit zu reihen.

Zahlenverarbeitung ohne Gefühle

Einen oft bedeutenden Punkt kann der Computer in seinen Berechnungen nicht berücksichtigen, er anerkennt nicht den Einfluss eines so genannten Starspielers auf den Rest der Mannschaft.

Fällt genau dieser Star eines Teams aus, hat das meist auch Folgen für die Moral der restlichen Truppe oder motiviert zumindest die Gegner. Das wirkt sich auch auf die Wettquoten aus.

Doch McCabe betont, dass genau diese subjektiven Einschätzungen oft zu Fehlinterpretationen führen und die Software deswegen extra programmiert wurde, jegliches subjektive Empfinden auszuschließen.

Erfolgsquote von 70 Prozent

Der Erfolg scheint der objektiven Analyse Recht zu geben.

In der diesjährigen Rugby-Saison wurde MAIT mit sämtlichen Daten eines australischen Buchmachers gefüttert und trainiert.

Seine Erfolgsquote von knapp 70 Prozent übertrifft bereits jetzt die der erfolgreichsten gewerbsmäßigen Spieler - und McCabe hält eine weitere Steigerung durchaus für möglich.