Handy-Kennzeichung floppt
Sechs Monate nach Einführung des "Blauen Engel" für strahlungsarme Mobiltelefone in Deutschland trägt noch kein einziges Handy das Umweltsiegel.
Die Produzenten boykottieren den "Blauen Engel" geschlossen, und das wird sich nach Aussage ihres Branchenverbandes Bitkom auch nicht ändern. Das Ökolabel für Mobiltelefone droht zum Flop zu werden.
Im Juni feierte Umweltminister Jürgen Trittin [Grüne] den damals neuen "Blauen Engel" für Handys als "positives Signal für Wirtschaft und Verbraucher" - schon da hatten die Hersteller ihren Boykott angekündigt. Trotzdem lobten sich SPD und Grüne noch im Oktober für ihren Beitrag zu "Umwelt und Gesundheit" selber: "Mit der Vergabe des 'Blauen Engels' für strahlungsarme Mobiltelefone wird den Kunden eine Entscheidungshilfe beim Kauf geboten", heißt es im Koalitionsvertrag.
Kennzeichnung für strahlungsarme HandysAngeblich ein Kartell
Der Vorsitzende der Jury Umweltzeichen, die das Ökolabel vergibt, ist ob der Untätigkeit der Handyhersteller wütend: "Wir haben es mit einem unseligen Kartell zu tun, das sich nach wie vor weigert, den Verbraucher angemessen über strahlungsarme Handys zu informieren", schimpft Gerd Billen.
Die Branche habe Angst, mit dem Siegel werde die Diskussion über Mobilfunk-Strahlung neu entflammt. "Die wollen den Deckel auf der Debatte halten."
Das sieht der Verband Bitkom, in dem alle Handyhersteller organisiert sind, anders. "Mobiltelefone sind sicher", ist man dort überzeugt. Der Zusatz "Umweltzeichen - weil strahlungsarm" erwecke aber den Eindruck, dass von Handys eine schädliche Strahlung ausgehe.
Ohnehin würden sich Kunden beim Kauf nicht nach dem Strahlungswert erkundigen. "Die Verbraucher interessiert das nicht", sagt eine Bitkom-Sprecherin. Die Hersteller würden allen Appellen Trittins zum Trotz keinen Deut von ihrer Haltung abweichen, ist sie sicher: "Wir geben dem 'Blauen Engel' keine Zukunft."
