Video-Sharing: Das Schweigen der Labels

20.09.2006

Nach der Warner Music Group wollen auch andere Musikkonzerne mit der Online-Videoplattform YouTube zusammenarbeiten. Bei den Labels gibt man sich wenig auskunftsfreudig. Unterdessen baut auch Microsoft eine Video-Community auf.

Am Montag ließ die Warner Music Group die Fachwelt aufhorchen. Der Musikkonzern verkündete eine Kooperationsvereinbarung mit der Online-Videoplattform YouTube. Verdient der Videoanbieter künftig über Werbung rund um Warner-Musikvideos, teilen sich die beiden Unternehmen diese Einnahmen.

Dafür stellt das Label nicht nur Videos zur Verfügung. YouTube-Nutzer dürfen die Inhalte auch nach Belieben verändern.

Andere Majors: "Kein Kommentar"

Auch von weiteren Labels werden Verhandlungen mit der Videoplattform kolportiert. Seitens der österreichischen Niederlassungen von Universal Music und Sony BMG wollte man sich über mögliche zukünftige Kooperationen mit der Videoplattform nicht äußern. Anfragen von ORF.at blieben unbeantwortet oder wurden mit dem Hinweis abgewiesen, die Thematik nicht kommentieren zu wollen.

EMI: Keine kommerzielle Zusammenarbeit

Lediglich EMI Österreich erklärte sich zu einer Stellungnahme bereit. Laut Wilfried Lechner, Digital Key Account Manager bei der heimischen Niederlassung des Labels, werde eine kommerzielle Beziehung zu YouTube derzeit nicht angestrebt. Die Plattform werde aber sehr wohl von Künstlern des Labels zur Promotion ihrer Musik genutzt.

Zuvor hatte Universal Music der Video-Site indirekt mit Klagen wegen Urheberrechtsverletzungen gedroht.

Taktisches Manöver

Die Drohgebärden erweisen sich bei näherem Hinsehen jedoch als taktisches Manöver. Nach Angaben der Nachrichtenagentur AP verhandeln sowohl Universal Music als auch Sony BMG über Vertriebsvereinbarungen mit der Video-Sharing-Site.

Dabei sollen sogar Anteilsverkäufe von YouTube an die Labels zur Sprache gekommen sein, berichtet das US-Wirtschaftsmagazin "Forbes".

Das wäre für die Musikkonzerne nach Meinung von Marktbeobachtern jedoch ein riskanter Schritt, da eine Beteiligung der Musikkonzerne die Klärung urheberrechtlicher Streitfragen mit allen von YouTube betroffenen Rechteinhabern voraussetzen würde.

Erinnerungen an Napster

Bei den Musikkonzernen werden in diesem Zusammenhang Erinnerungen an den Einkauf des Medienkonzerns Bertelsmann bei der Online-Tauschbörse Napster im Jahr 2000 wach.

Rechtsstreitigkeiten mit konkurrierenden Unternehmen, die von Bertelsmann Entschädigungen für Urheberrechtsverletzungen der damaligen Tauschbörse forderten, sind bis heute nicht restlos beigelegt.

Auch Microsoft startet Video-Community

Unterdessen will auch der US-Softwarekonzern Microsoft YouTube Konkurrenz machen. Eine Betaversion des Videodienstes Soapbox ist seit Dienstag online, der Zugang ist vorerst jedoch nur mit einer Einladung möglich. Nach der Testphase soll Soapbox in die Microsoft-Live-Dienste integriert werden.

(futurezone | AP | Forbes)