Drogenaufklärung mit YouTube

19.09.2006

Die US-Regierung nutzt die Online-Videoplattform YouTube, um auf die Gefahren des Drogenmissbrauchs aufmerksam zu machen. Kritiker zweifeln am Erfolg der Kampagne.

Unter den Stichwörtern "war on drugs", "marijuana", "weed", "420", einem beliebten Synonym für Marihuana, und "ONDCP", für "Office of National Drug Policy" hat die US-Regierungsbehörde zur Drogenkontrolle in den vergangenen Tagen Videos auf YouTube geladen.

Dabei wurde der Nutzeraccount "ONDCPstuff" verwendet, als dessen Besitzer ein 18-Jähriger aus Washington angegeben wird. Die Popularität der Anti-Drogen-Clips hält sich bisher jedoch in Grenzen. Dienstagvormittag waren die Zugriffszahlen für die Videos noch im einstelligen Bereich.

Die Clips wurden zuvor schon bei US-Fernsehsendern ausgestrahlt. Über die populäre Videosite, die von Teenagern häufig genutzt wird, soll nun die Zielgruppe direkt angesprochen werden.

Damit nutzt die US-Regierung YouTube erstmals zu einer konzertierten Aktion. Geld ist nach Angaben der Regierungsstelle keines geflossen.

Konkurrenz groß

Die Konkurrenz für die Video-Clips zum Thema Drogen ist auf YouTube jedoch groß, das Angebot überbordernd. Neben audiovisuellen Drogen-Erfahrungsberichten zahlreicher YouTube-Nutzer finden sich auch detaillierte Anleitungen zum Anbau von Marihuana und zum "Kochen mit Drogen" auf der Plattform.

Warten auf Parodien

Kritiker beurteilen die Erfolgsaussichten der Regierungsinitiative skeptisch. Lee Rainie, Direktor des Pew Internet & American Life Project, rechnet schon bald mit den ersten, von YouTube-Nutzern erstellten Parodien der Aufklärungsvideos.

Der Medienwissenschaftler Michael Bugeja von der Journalistenschule der Iowa State University bezeichnete die Aktion als "irregeleitet". "Online-Communitys wie YouTube", sagte Bugeja gegenüber der Nachrichtenagentur AP, "eignen sich nur bedingt zur Diskussion ernster Themen."

Die britische Regierung hatte Ende August ein Werbevideo unter dem Titel "Sharing - the Leadership Challenge" auf YouTube gepostet. Der Publikumszuspruch war gering. Bisher wollten lediglich knapp 3.300 YouTube-Nutzer den sieben Minuten langen Clip sehen, der britische Wirtschaftstreibende und Politiker in langatmigen Einstellungen porträtiert.

(futurezone | AP)