01.12.2002

MATRIX FORUM

Bildquelle: PhotoDisc

Von mobilen Agenten und mobilem Code

Von intelligenten Softwareagenten

Der Begriff "Software Agent" wurde bereits in den 50er Jahren von Oliver G. Selfridge am MIT geprägt.

Die Vorstellung damals lautete: ein intelligenter Softwareagent sei eine Art "weicher" Roboter, der in der Computerwelt lebt und in diesem Umfeld seine Geschäfte erledigt.

Der Begriff ließ viele Deutungen zu. Und nicht zuletzt um Forschungsgelder zu lukrieren, entstanden mehr und mehr Phantasmen: Der elektronische Butler, Verhandler, guter Geist, der nicht nur an der Börse, sondern in allen Lebenslagen in der Lage sei, das Beste für seinen Herrn auszuhandeln. Das Konzept wurde immer mehr aufgeblasen und verworren.

"Was für eine Person der intelligente Agent ist, ist heute ein "smart object" und morgen nicht mehr als ein dummes Programm.

Alan Kay 1984

~ Link: http://www.cs.umbc.edu/agents/introduction/01-Bradshaw.pdf ~

zu mobilen Agenten

Mobile Agenten wurden Mitte der 90er Jahre mit dem Versprechen präsentiert, dass sie einfacher zu realisieren seien als jene Agenten, die die Apologeten der Artificial Intelligence Bewegung präferierten.

Man erkannte, dass der Aspekt der Mobilität ausreicht, um interessante Anwendungen zu realisieren. Sowohl im Telekommunikationssektor als auch im Bereich "Mobile Computing".

Die Firma General Magic stellte 1994 die Programmiersprache Telescript vor. Damit wurden die ersten Versuche unternommen, mobile Agenten zu realisieren. Seit ein paar Monaten ist die Firma General Magic jedoch Geschichte.

~ Link: http://www.byte.com/art/9402/sec3/art1.htm ~

Die Mobile Agents Community nützt seit geraumer Zeit vor allem Java, um ihre Agenten - bepackt mit Code, Exekutionsstatus und Daten - von einem Rechner zum anderen wandern zu lassen.

Siemens etwa realisierte ein Projekt für Hotelabfragen mit Hilfe von mobilen Agenten. Am Fraunhofer Institut verwirklichte man damit ein Bildabfragesystem.

Die Automobilindustrie zeigt sich interessiert. Sie träumt vom personalisierten Auto, das in Krisensituationen das Steuer übernimmt.

Aber das ist Science Fiction. Derzeit haben nur die Forschungsprojekte eine Chance auf Realisierung, die sich mit weit weniger zufrieden geben.

Probleme der Agenten

Sicherheit, Verläßlichkeit, wenig Verbrauch von Bandbreite und Energie sind Mindestanforderungen, die mobile Agenten erfüllen müssen. Anwendungen im Intranet-Bereich sind zwar leichter zu realisieren, aber dem Konzept nach sollen mobile Agenten nicht nur gut geschützt hinter einer Firewall agieren. Der Mehrwert besteht darin, dass sie wandern. Sie müssen in der Lage sein, unwirtliches Terrain zu durchstreifen und in fremden Netzwerken aktiv werden. Damit werden sie angreifbar.

Mit der Zeit stellte sich auch in der Mobile Agent Community immer mehr die Frage, warum man ihren Projekten noch das Label "Mobile Agent" umhängen muss.

Mobile Agenten, so Karin Hummel vom Institut für verteilte Systeme an der Universität Wien, sollte man genauso wie Client/Server-Systeme als eine Technik verstehen. 2002 ist der Hype um Agenten jeglicher Art vorbei.

zurück zum mobilen Code

Den sogenannten "mobilen Code" gibt es schon seit mehreren Jahrzehnten. Genauso wie bei den mobilen Agenten gibt es auch hier scheinbar keine deutliche Trennlinie.

"Mobile Code": kann ein mobiler Agent sein. Es kann "remote evaluation" bedeuten. Dabei wird ein Programm zu einem anderen Rechner transportiert, um dort eine Berechnung durchzuführen. Retourniert wird nur das Ergebnis. Mobile Code kann weiters "code on demand" bedeuten, aber auch vieles mehr.

Mobile Code wird von manchen als Forschungsaufgabe mittlerweile als interessanter angesehen als der Bereich "Mobile Agents", denn für deren Umsetzung mangelt es noch an zu vielen Dingen, als dass sie umfangreich eingesetzt werden könnten. Vor allem fehlen die notwendigen Plattformen.

Nur Viren und Würmer, die dunklen Gestalten unter den mobilen Agenten, finden bisher weitgehend "Unterstützung" von seiten der Softwareindustrie. Wenn auch unfreiwillig.