29.11.2002

NETZ & MUSIK

Bildquelle: PhotoDisc

Hörtest zeigt Verbindungsqualität

Die Zuverlässigkeit und Performance von Internet-Verbindungen soll künftig gemessen werden, indem man den Klängen lauscht, die sie erzeugen.

Chris Chafe, Chellist und Leiter des Zentrums für Computerforschung in Musik und Akustik an der Stanford-Universität, arbeitet derzeit mit seinem Team an neuen Methoden einer besseren und schnelleren Qualitätskontrolle für Internet-Verbindungen.

Pingen zu ungenau

Derzeit überprüft man die Schnelligkeit einer Netzverbindung mit einem Ping-Programm.

Ein kleines Datenpaket wird an einen Rechner gesendet, und sobald dieser antwortet, errechnet der Client die verstrichene Zeit in Millisekunden. Das liefert jedoch nur Näherungswerte, die Schwankung dabei wird als "Jitter" bezeichnet. Um realistische Ergebnisse zu erhalten, werden oft mehrere verschieden große Pings abgeschickt.

Doch die Ping-Methode ist für Chafe zu ungenau. Vor allem bei interaktiven Internet-Anwendungen wie der Online-Medizin und -Chirurgie, bei der die Ärzte mit Hilfe von in den Körpern eingeführten Kameras und Robotern aus der Ferne arbeiten, hängt das Leben der Patienten nicht zuletzt von einer schnellen und zuverlässigen Internet-Verbindungen ab.

Deswegen muss die Qualität einer Verbindung exakt messbar sein.

Akustischer Verbindungscheck

Der Stanford-Forscher versucht mit Hilfe von Tönen, die Abweichungen, also die Jitter-Werte, hörbar zu machen.

Dazu setzt er die Internet-Verbindungen mit Gitarrensaiten gleich. Um ein Anzupfen einer Saite zu simulieren, schickt er gleichmäßig kurze Sound-Impulse durch eine Verbindung.

Werden diese Impulse nach ihrer Rundreise durch Lautsprecher hörbar gemacht, vernimmt man einen gleichmäßigen Ton. Dabei gilt: je länger die Übertragungsdauer, desto niedriger die Tonhöhe.

Ist eine Verbindung instabil, sollen sich die Intensitätsschwankungen ähnlich einem Vibrato/Tremolo sofort hören lassen.

Der Vorteil dieser Methode liegt laut Chafe darin, dass jede noch so kleine Abweichung sofort vom Ohr bemerkt wird und so eine schnelle und qualitativ bessere Messung ermöglicht wird.