28.11.2002

DURCHBLICK

"Internet-Guru" Esther Dyson in Wien

"Internet-Guru" und Ex-ICANN-Chefin Esther Dyson ist heute auf Einladung der Mobilkom in Wien.

Vorgeschmack

Unter dem Motto "It's a user-controlled world" stellt Dyson den einzelnen Menschen in den Mittelpunkt zukünftiger Kommunikationsentwicklungen. Die "Killerapplikation" für den Mobilfunk würden demnach Dienste sein, die speziell auf die Kundenbedürfnisse zugeschnitten seien, sagte Dyson heute bei einem Pressegespräch der Mobilkom Austria.

Für die Wirtschaft sieht Dyson, die auch als Unternehmensberaterin tätig ist, die Fokussierung auf den einzelnen Kunden und den persönlichen Mehrwert als wettbewerbsentscheidend. "Die Firmen müssen uns statt bunter Werbung Aufmerksamkeit schenken", so Dyson. Viele hätten noch nicht verstanden, dass das Internet zwar Institutionen verändere, aber nicht die Menschen.

Gerade für Österreich und Europa, wo der Mobilfunksektor traditionell stark genutzt wird, vermutet Dyson viele Chancen für neue Entwicklungen. Amerika sei durch uneinheitliche Standards und die frühe Verbreitung des textlastigen Internets bei Sprachanwendungen zurückgefallen. Wichtig für die Zukunft sei vor allem, neue Technologien mit der Ausbildung in Einklang zu bringen: "Sind die Möglichkeiten da, entwickeln sich Lösungen oft von alleine."

Auf die Frage, wer in Zukunft Standards und Gesetze zur Nutzung des Internets entwickeln sollte, antwortete die ehemalige ICANN-Vorsitzende mit einer Warnung: "Zu viel Macht in den Händen einer Organisation wird zu Missbrauch führen - wir brauchen mehr als eine Internet-Regierung." Es gelte vielmehr, eine Balance zwischen persönlichen und kollektiven Rechten sowie den verschiedenen Ländern zu erreichen. Kontrolle über einzelne Gruppen sei unumgänglich, "denn Anonymität verleitet manchmal zu seltsamen Verhaltensweisen".

Weniger Kontrolle

Alle Internet-Benutzer beobachten zu wollen sei hingegen ebenso unmöglich wie gefährlich: "Wir müssen Terroristen fangen, aber nicht alle Menschen wie Terroristen behandeln", meinte Dyson mit Blick auf die USA.

Problematisch sei das mangelnde Bewusstsein vieler Mitbürger, was Privatsphäre und Rechte betreffe. "Wenn sie uns beobachten, beobachten wir sie zurück" solle die Devise für demokratische Kontrolle in der Zukunft sein.