Positive Bilanz für Paraflows-Festival

17.09.2006

"Paraflows 06", das einwöchige Festival für digitale Kunst und Kulturen, ist zu Ende gegangen. Festivalleiter Günter Friesinger sprach mit ORF.at über die Wiener Szenen für digitale Kunst und Kultur, das umstrittene Fördermodell Mana und die Politisierung der digitalen Communities.

Eine Woche lang präsentierte sich die Wiener Netzkulturszene auf dem Festival.

ORF.at: Paraflows, das am vergangenen Samstag zu Ende ging, hat der Wiener Szene für digitale Kunst und Kultur eine Plattform zur Darstellung und zur Vernetzung geboten und versucht, auch internationale Verknüpfungen herzustellen. Wurden Ihre Erwartungen erfüllt?

Friesinger: Die positivste Erfahrung ist, dass unser Konzept, möglichst viele Locations mit ihren Communities einzubeziehen, aufgegangen ist. Es gibt in Wien nicht nur nur eine Community für digitale Kultur, es gibt mehrere, die man unterschiedlich ansprechen muss. Wir hatten die elektronische Musikszene drinnen, wir hatten die Visuals-Szene drinnen, wir hatten digitale Künstler, wir hatten Aktivisten.

Bei Paraflows, das dezentral organisiert war und an vielen verschiedenen Orten stattgefunden hat, konnte man diese unterschiedlichen Communities auch sehen und den Spirit mitnehmen.

Von 10. bis 16. September fand heuer erstmals das Wiener Netzkulturfestival Paraflows statt. Auf Ausstellungen, Social Events, Workshops, Performances und einem Symposion, das die "sozialen Netze hinter dem Netz" und deren politische Implikationen zum Thema hatte, präsentierte und vernetzte sich die Wiener Szene.

ORF.at: Die Idee, der Wiener Szene eine Plattform zu bieten, wurde auch schon bei der Ausstellung NetzNetz , die 2004 im Künstlerhaus stattgefunden hat, verfolgt. Wie hat sich die Wiener Szene seither entwickelt?

Friesinger: Es ist vor allem internationalisiert worden. Das, was im Herbst 2004 passiert ist, war ein Nach-außen-Treten einer Szene, die eigentlich völlig unbemerkt passiert ist. Es gab viele Leute, die in Wien digitale Kunst und Kultur gemacht haben, die zwar international bemerkt wurden, aber nicht in Wien. Das Festival 2004 war noch ziemlich improvisiert.

Worum es damals ging, war, sich zu vernetzen und überhaupt einmal in Berührung zu kommen und auch zu zeigen, was es gibt. 2006 ist es so, dass es mittlerweile eine Förderung gab, und man konnte deshalb Dinge professioneller machen. Wir haben versucht, die Wiener Szene auch international zu vernetzen. Etwa die Hälfte des Paraflows-Programms kam aus dem internationalen Umfeld. Es war ein ganz wichtiger Punkt, hier Wiener Netzkultur auch nach außen zu tragen.

Visuelle Eindrücke vom Festival finden sich auf der Wiener Kunst- und Kulturplattform esel.at, auf YouTube und in der Foto-Sharing-Community Flickr.

ORF.at: Das Festival Paraflows ist auch ein Ergebnis des neuen Wiener Netzkultur-Fördermodells Mana. Am Fördermodell gab es viel Kritik.

Friesinger: Man weiß, dass das Fördermodell nicht unumstritten ist. Ich finde es gut, dass die Community selber bestimmen kann, wie die

Fördersumme, mittlerweile 500.000 Euro, verteilt wird, weil sie besser beurteilen kann, wo Förderungen notwendig sind. Kritiker des Modells sprechen sich für ein Kuratorenmodell aus, in dem die Kuratoren bestimmen, wo das Geld hingeht.

Das neue Fördermodell steckt in der Entwicklung und in jedem partizipatorischen Prozess gibt es einfach Mühen, die bewältigt werden müssen. Wenn ich mir die Projekte anschaue, die gefördert wurden, dann bin ich sehr froh, dass es so ist, wie es ist. Auch wenn ich nicht mit jeder dieser Entscheidungen d'accord gehen kann.

ORF.at: Wie viel hat Paraflows aus dem Fördertopf bekommen?

Friesinger: 65.000 Euro - die restliche Finanzierung habe ich eingebracht, durch Kunst im öffentlichen Raum, durch Förderungen aus der Wissenschaft, die das Symposium unterstützt haben, und auch durch Sponsoring vor allem bei Sachleistungen. Damit kommt man auf ein größeres Budget, um ein internationales Festival veranstalten zu können.

ORF.at: Zentral bei Paraflows war die Koppelung von Communities mit aktuellen politischen Fragen der digitalen Kultur. Wo liegt das politische Potenzial der digitalen Communities?

Friesinger: Das Spannende ist, dass die Auseinandersetzung mit den Themen Copyright, Filesharing und Datenschutz mittlerweile ein ziemliches Potenzial erreicht hat. Es gründen sich Parteien und diese Themen werden auch in Parlamenten behandelt.

Etwa in Frankreich, wo Ende vergangenen Jahres darüber diskutiert wurde, ob man Downloads nicht überhaupt freigeben sollte. In Schweden und zahlreichen anderen Ländern, darunter auch Österreich, haben sich Piratenparteien gegründet, die auch bei Paraflows vertreten waren.

Piraten setzen Segel

Beim Netzkulturfestival Paraflows stellten Vertreter der Piratenparteien Österreichs und Schwedens ihre Programme vor. Auch in Deutschland gründete sich vor kurzem eine Piratenpartei.

ORF.at: Wie relevant sind diese Gruppierungen?

Friesinger: Ich glaube schon, dass sie eine gewisse Relevanz haben. Ich weiß allerdings nicht, ob sie jemals so groß werden, dass sie ins Parlament einziehen. Es ist jedoch wichtig, dass diese Thematik im Gespräch bleibt. Bei uns war dies ein ganz elementares Thema, beim Symposium, aber auch in Performances. Wir wollten darauf aufmerksam machen, dass diese Fragen für unsere Zeit, für unsere Kultur zentral sind.

ORF.at: Wie geht es mit Paraflows weiter?

Friesinger: Paraflows wird als Festival jedes Jahr neu vergeben, es ist nicht so, dass das automatisch für lange Zeit an eine Person vergeben wird. Sondern das Festival wird ausgeschrieben werden und dann wird die Community darüber abstimmen, wer dieses Festival im nächsten Jahr leiten wird.

(futurezone | Patrick Dax)