21.11.2002

COMDEX

Bildquelle: comdex

Schwarzer Humor und Copyright-Kriege

"Woran erkennt man bei einer Messe, dass die Wirtschaft wirklich in einer tiefen Krise steckt?" fragte der Chef von Sun Microsystems, Scott McNealy, die Besucher der größten US-Computermesse Comdex in Las Vegas:

"Die Leute müssen die Seife und das Shampoo aus dem Hotelzimmer mit nach Hause bringen und bei ihren Firmen abliefern."

Doch nicht nur McNeally sieht die Situation der IT-Industrie so entspannt, dass er darüber scherzen kann: Stars der Comdex wie Microsoft-Gründer Bill Gates und HP-Chefin Carly Fiorina gaben den Messegästen in der Wüste von Nevada eine Botschaft mit auf den Weg: "Think positive" - Denkt positiv! Es wird schon werden.

"Fortschritt wird nicht von Zynikern und Zweiflern erreicht", sagte Fiorina. HP helfe, verschiedene Herausforderungen zu meistern, etwa beim Space-Shuttle-Projekt der NASA, beim Formel-1-Team von Williams-BMW und auch bei einer Vogelwarte in Finnland. Fiorina pries die wahren "Pioniere", die sich wieder auf den Geist der Innovation besinnen. Deshalb könne HP pro Arbeitstag vier neue Patente anmelden.

Messezukunft unklar

Die wird aber auch von Gerüchten über das Schicksal des angeschlagenen Veranstalters Key3Media und damit der Messe selbst begleitet. Die Spekulationen reichen von der Rückkehr des Comdex-Gründers Shelly Adelson bis hin zur Übernahme durch die Deutsche Messe AG.

Key3Media ist unterdessen bemüht, die anscheinend drohende Insolvenz zu dementieren. Es gibt Spekulationen, wonach Key3Media versuche, die Bankrotterklärung bis nach der Comdex geheim zu halten.

Inhalt vs Hardware

Während WLAN-Technologien auf der Comdex ein "endgültiger Durchbruch" beschieden wurde, trat aber auch der Dauerkonflikt klar hervor, der sich um Sicherheit und Urheberrechte auf der einen und die Freiheit der Computerbesitzer auf der anderen Seite dreht.

Peter Chernin, Präsident und COO von Rupert Murdochs News Corporation, beklagte das Ausmaß der illegalen Aktivitäten: Tauschbörsen und schwarz gebrannte CDs kosteten die Musikbranche vier Milliarden USD Umsatz pro Monat.

Im Vergleich dazu seien die Verluste der Computerbranche durch Softwarepiraterie mit rund vier Milliarden USD pro Jahr noch geradezu gering. Auch Regisseur George Lucas prangerte den Diebstahl via Internet an: "Es gibt kein kostenloses Lunch." Irgendwo müsse jemand die Rechnung bezahlen.

Chernin forderte ein Bündnis von Content-Lieferanten und Technologieanbietern gegen das unerlaubte Kopieren digitaler Inhalte. Ob das jedoch bei den Computerkäufern auf offene Ohren stoßen wird, muss nach einem Gang durch die Comdex bezweifelt werden. Belagert waren vor allem die Messestände der Anbieter von Kopierprogrammen, mit denen man etwa den Kopierschutz bei Film-DVDs knacken kann.