MS-Dominanz an FHs kritisiert
Der "Country Manager Austria" des nach eigenen Angaben weltweit zehntgrößten Softwareunternehmens Progress Software, Christian Büll, hat in einem Gespräch mit der futureZone die Wichtigkeit fundierter IT-Ausbildung betont. Büll ist auch Vorstandsmitglied des VÖSI.
"Ausbildung ist sehr wichtig. Ausbildung ist uns [Progress] sehr wichtig, wir wollen dieses Feld weder Microsoft noch SAP überlassen", meinte Büll, der selbst mehrere Jahre als Assistent an der TU Wien sowie einer Fachhochschule gelehrt hat. "Manche Fachhochschulabgänger können nur mit MS-Produkten umgehen. Die Dominanz in diesem Bereich ist zu stark."
Progress stelle den Bildungseinrichtungen Software zur Verfügung und versuche, die Universitäten und FHs in nicht zeitkritische Projekte einzubinden.
Progress Software
Am bekanntesten sind die Datenbank-Produkte von Progress, womit
das Unternehmen auch "begonnen" hat. Inzwischen werden unter anderem
Messaging-Produkte und Software zur Integration von Applikationen,
vor allem in Online-Umgebungen, angeboten. Neben den weltweit
verfügbaren rund 5.000 "Out of the box"-Applikationen werden in
Österreich vor allem Programme verkauft, die entweder von Partnern
oder von Direktkunden zu eigenen Lösungen weiterentwickelt würden.
Progress Software AustriaTrend zu Linux
Dass das Angebot von für Wirtschaftsunternehmen entwickelten Komplettlösungen für Spezial-FHs nicht ganz uneigennützig erfolgt, gibt Büll unumwunden zu.
Beispielsweise würden einer medizinischen FH echte Krankenhauslösungen zur Verfügung gestellt. "Die Absolventen haben dann schon Erfahrung mit Produkten, die in vielen Krankenhäusern tatsächlich eingesetzt werden."
Die einseitige Ausbildung sei schon allein deshalb problematisch, da es in der Wirtschaft einen deutlichen Trend hin zu Linux gebe. "Unsere Kunden fragen verstärkt nach Linux", sagte der Manager. Darunter seien sowohl solche, die von Windows-Betriebssystemen "upgraden" wollten, als auch Umsteiger aus der Unix-Welt.
Seine Firma würde entsprechend auch "alle Produkte, die es für Windows gibt, auch für Linux und Unix" anbieten. Die Kaufpreise würden sich dabei nicht unterscheiden.
VÖSI-Preissenkung ist Erfolg
Wie berichtet ist der Vorstand des Verbandes der Österreichischen
Software-Industrie [VÖSI] bei der heurigen Generalversammlung um ein
Mitglied, Christian Büll, erweitert worden. Der Progress-Manager ist
Leiter des PR-Arbeitskreises im VÖSI. Die Senkung des
Mitgliedsbeitrages auf einheitliche 1.000 Euro pro Jahre "scheint zu
funktionieren". Unmittelbar nach Bekanntwerden der Beitragssenkung
hätten sich schon mehrere Unternehmen gemeldet, die beitreten
wollten.
Die Krise und der Software-VerbandWünsche an die Politik
Angesprochen auf seine "Wünsche an die Politik" wenige Tage vor der Nationalratswahl wurde Büll zunächst wenig konkret: "Wir wünschen uns ein Umfeld, in dem Dienstleistung wieder attraktiv wird. Die Industrie ist heute in der Lage, Softwareprojekte außerhalb Österreichs abzuwickeln, und das wird auch gemacht. Know-how ist rundherum zu ganz anderen Kosten verfügbar."
Nach konkreten Maßnahmen gefragt, erwähnte er Lohnnebenkosten: "Die Krankenkassen wollen Beitragserhöhungen, und die neue Abfertigung erhöht zum Jahreswechsel schlagartig die Lohnsummen. Das macht Arbeitskraft nicht attraktiver."
Als Country Manager eines internationalen Konzerns habe er Konzernvorgaben für Deckungsbeiträge zu erfüllen, sonst würden Unternehmensteile in andere Länder verlagert. Das habe man in Österreich noch nicht überall begriffen.
"Auf der anderen Seite verstehe ich auch manche Konzerne nicht. Die ausschließliche Maximierung von Shareholder Value und Umsätzen ist ein Weg, der langfristig in eine Sackgasse führt", so Büll.
