Problematische Digitalisierung der Politik
"Ich habe keine Ahnung was E-Democracy sein soll", sagt Paulina Borsook, Netzkritikerin und Autorin des Buches "Cyberselfish", in dem sie sich mit dem politischen Weltbild in der amerikanischen IT-Szene auseinandergesetzt hat.
Die Zukunftsvision, die im Internet ein radikaldemokratisches Instrument sieht, mit dem man quasi in Echtzeit Online-Volksabstimmungen abhalten kann, berzeichnet Borsook als Horrorvision.
Ein Wahlkampf dient nicht nur der Präsentation verschiedener Standpunkte und Programme, sondern gibt den Wählern auch Zeit sich eine eigene Meinung zu bilden. Borsook würde diesen
Basisdemokratisches Potential?
Die leichte technische und demagogische Manipulierbarkeit und der fehlende Datenschutz bei der elektronischen Stimmabgabe sind zurzeit auch die am häufigsten verwendeten Argumente gegen die Idee einer "E-Democracy".
Was man dem Internet gemeinhin zugute hält ist sein enormes basisdemokratisches Potential. So
gilt das Netz als vorbildlich etwa was das Recht auf den freien Zugang zu Information und freie Meinungsäußerung anbelangt.
Doch auch an dieser weitverbreiteten Vorstellung gibt es Kritik. Der deutsche Politikwissenschafter und Historiker Christoph Speer sieht in der Diskussionskultur, wie sie in Online-Foren, Mailinglists und Newsgroups vorherrscht, einen Rückschritt gegenüber den demokratischen Spielregeln, wie sie sich in Jahrzehnten der Praxis bei realen politischen Gruppierungen herausgebildet haben.
Aus dem Ö1-Magazin matrix
Christoph Speer im Interview: "Mit dem Hype globaler Movements, auch virtueller Vernetzungen brechen viele Standards weg, die man sich mühsam
erarbeitet hat. Also: Wie kommuniziert wird. Wer spricht. Wie sind Männer und Frauen oder andere Gruppen repräsentiert. Wie können die Einfluss nehmen auf die Regeln - das ist alles schwieriger in virtuellen Kontexten, weil die Gruppe offen ist und eigentlich alle nur gehen, wenn es ihnen nicht paßt."
matrix - computer & neue medienRegierungsgeschäfte am Computer simulieren
Regierungen sind teuer, ineffizient und selbstgenügsam. Es liegt also nahe, dem gegenwärtigen Trend zur computergesteuerten Automatisierung zu folgen und Regierungen durch Rechner-Cluster zu ersetzen.
Diese Überlegung bildet den Ausgangspunkt für ein Kunstprojekt, das das Grazer Institut Hofos zur Zeit durchführt. Ihr Projekt "d¿Regierung" steht für digitale Regierung. Die Projektbetreiber
berichten in matrix wie sie das Regierungsgeschäft am Computer simulieren wollen.
