Software berechnet Gefängnisstrafen
Ein chinesisches Gericht lässt sich die angemessene Dauer von Gefängnisstrafen von einer Software berechnen. Das Programm hat bereits über 1.500 Fälle entschieden und soll nun auch in anderen Gerichten zum Einsatz kommen.
Ein chinesisches Gericht in der Provinz Shandong hat ein zweijähriges Pilotprojekt abgeschlossen, bei dem eine Software getestet wurde, die die angemessene Dauer von Gefängnisstrafen berechnet.
Wie die "China Morning Post" berichtet, soll die Software in über 1.500 Fällen entschieden haben, wie lange die Verurteilten einsitzen müssen.
Für 100 verschiedene Vergehen
Laut dem Entwickler ist die Software auf über 100 verschiedene Vergehen von Diebstahl über Vergewaltigung bis zu Mord programmiert.
"Die Software soll standardisierte Entscheidungen über Gefängnisstrafen ermöglichen, sie kann auch subtile Unterschiede in verschiedenen Fällen desselben Vergehens erkennen", so der Programmierer Qin Ye. Er habe bei der Entwicklung eng mit dem Gericht zusammengearbeitet.
Zwar forciert China die Netz-Nutzung, doch nur unter strengen Spielregeln. Kritik oder ungewollte Infos sind im Internet nicht erwünscht. Mit diesen Restriktionen kämpfen auch die Anhänger von Online-Nachschlagewerken [Wikis].
Weniger Korruption?
Die Richter müssten nun lediglich Details zu einem Fall eingeben, die Software spuckt dann die angemessene Strafe aus.
Während das Gericht den Software-Einsatz damit rechtfertigt, dass der Machtmissbrauch von Richter wegen Korruption oder unzureichender Ausbildung verhindert werden könnte, kritisierten chinesische Zeitungen den Schritt. Es sei lediglich Faulheit und könne nichts gegen die Korruption ausrichten.
Dennoch soll die Software demnächst in weiteren Gerichten der Provinz eingeführt werden.
(AP)
