11.11.2002

SPIEL & KRITIK

Bildquelle: Max Design

Ein Strategie-Game für Fortgeschrittene

Vier Jahre Entwicklung und drei Millionen Euro stecken in "Anno 1503", dem Nachfolger von "Anno 1602". Herausgekommen ist ein komplexes Echtzeit-Strategiespiel mit vielen Möglichkeiten und Details und anspruchsvollem Schwierigkeitsgrad.

Der teilweise hohe Schwierigkeitslevel und zahlreiche Bugs können den Einstieg erschweren. Echte Strategiefans werden sich aber auch durch diese Anfangsprobleme beißen und könnten dabei eine Menge Spaß im Mittelalter haben.

Geld durch Handel und Verkauf

Im Gegensatz zum Vorgänger werden in Anno 1503 keine Steuern mehr eingehoben, sondern Geld durch den Verkauf der Waren an Bürger und Handelspartner verdient.

Dazu muss zuerst eine florierende Wirtschaft aufgebaut werden, nachdem man mit seinem Schiff die passende Insel gefunden hat. Wenn nicht alles selbst produziert werden kann, muss mit anderen Weltenbewohnern Handel getrieben werden.

Sind die Grundbedürfnisse befriedigt, geht es an den Ausbau der Siedlung. Gasthäuser, Schulen, Kirchen und Arzt steigern die Zivilisationsstufe und ebnen den Weg für die Aristrokratie.

Nicht alle Völker im Spiel sind friedlich gesinnt. Gut eingesetzte Diplomatie, Militärbündnisse und Schutzgeld helfen Pazifisten, wer es gerne kriegerisch hat, wird ebenfalls ausreichend bedient.

Schwieriger Einstieg

Optisch ist Anno ohne Tadel. Es tummelt sich jede Menge Getier auf den Inseln, je nach Klimazone Eisbären, Rehe oder Hasen. Die Gebäude und Figuren sind einwandfrei animiert und selbst auf einem älteren PC ruckelt augenscheinlich nichts. Das große Menüsystem verhindert allerdings eine weite Einsicht, die drei Zoomstufen helfen dabei nur bedingt.

Der Sound ist Geschmackssache, endlose mittelalterlich klingen wollende Musik ist wahrscheinlich nicht jedermanns Sache. Ansonsten sind Töne und Sprachausgabe platziert und passend.

Dem Anfänger seien die Tutorien, genauso wie das Handbuch, ans Herz gelegt um sich zumindest einen groben Überblick verschaffen zu können. Die Gamer-Community hatte sich über den hohen Schwierigkeitsgrad bei den ersten beiden Endlosspielen und Kampagnen-Szenarien beschwert, durch den ersten Patch sollen diese vereinfacht worden sein. Der Multiplayer-Modus wird durch diesen Patch noch nicht freigeschalten.

Wirtschaftssimulation für Fortgeschrittene

Die zahlreichen Möglichkeiten, wie Handel, Krieg führen, Entdecken und Diplomatie, machen Anno für den Anfänger und Einsteiger zu einem zunächst nur schwer durchschaubaren Spiel.

Zeitweise mutet Anno wie eine Wirtschaftssimulation an, anders als bei z.B. "Die Siedler" kann nicht alles bei Bedarf auch schon selber produziert werden und muss durch Handel herangeschafft werden, sonst werden die Bürger schnell ungemütlich.

Sind Geld oder Rohstoffe knapp, kann auch nicht durch bloßes Abwarten wieder ausreichend davon generiert werden, selbst das Abreißen der Gebäude bringt dann nichts.

Andererseits hat dies für Geübte wahrscheinlich mehr Reiz als nur niedliche Figuren auf dem Schirm herumwuseln zu sehen.