Die Krise und der Software-Verband
Der Präsident des Verbandes österreichischer Softwareindustrie [VÖSI] und BEKO-Manager, Peter Kotauczek, sieht die Branche in einem "ein wenig traumatisierten Zustand".
Nachdem man über Jahre hinweg Umsatzzuwächse verzeichnet und unter Personalmangel gelitten habe, würden jetzt Firmenzusammenbrüche, Mitarbeiterabbau, ein vor allem bei den Nebenwerten zusammengebrochener Kapitalmarkt und ein massives Standortproblem das Bild kennzeichnen.
Aus Österreich seien viele wichtige "Headquarter" abgezogen: "Nicht physisch, aber die tatsächlichen Entscheidungsfindungen sind verlagert worden."
Ebenso sieht er die nicht stattfindende Ausbildung von Spezialisten im Großrechner-Bereich als sehr problematisch.
Aufbruch nach dem Zusammenbruch
Donnerstagabend hatte der Verband österreichischer
Softwareindustrie [VÖSI] zur Jahrespressekonferenz unter dem Titel
"Österreichs IT-Industrie im Aufbruch nach dem Zusammenbruch"
geladen. Bei der VÖSI-Jahresversammlung ist der Vorstand einstimmig
wieder gewählt und um eine Person [Christian Büll, Progress
Software] erweitert worden.
Die VÖSI-SiteVerband in der Krise
Auf entsprechende Nachfragen gab der Verbandspräsident zu, dass es auch dem VÖSI selbst nicht rosig gehe: "Es hat eine ernste Debatte gegeben, ob der VÖSI noch eine Lebensberechtigung hat", was er auf die "Traumatisierung" der Branche zurückführe.
Der VÖSI will nun gezielt KMUs ansprechen und hat den Mitgliedsbeitrag auf 1.000 Euro/Jahr gesenkt. Entsprechend wurde das Budget um 40 Prozent gekürzt. Die bisher geübte "elitäre Mitgliedsbeitragsgestaltung" [gestaffelt nach Mitarbeiteranzahl von 15.000 ATS bis 50.000 ATS jährlich] habe manches potenzielle Mitglied abgeschreckt.
Der VÖSI-Vorstand will sich noch zwei Jahre Zeit geben. Wenn die Strategie nicht aufgeht, will Kotauczek entweder einem neuen Vorstand die Chance geben - oder den VÖSI auflösen.
Statistik
Der kumulierte Umsatz der VÖSI-Mitglieder soll sich heuer im
Vergleich zum Vorjahr marginal auf etwa 3,3 Milliarden Euro erhöhen,
die Mitarbeiterzahl bei gut 15.000 stagnieren. Daraus ergibt sich
eine leichte Steigerung des Umsatzes pro Mitarbeiter auf 213.200
Euro [nach 209.600 im Jahr 2001].
Die Liste der 48 VÖSI-MitgliederNeue Entwicklungen werden vorsichtiger angenommen
Es gäbe zwar weiterhin neue Ideen und Technologien, diese würden aber viel vorsichtiger angenommen, sagte Kotauczek: "All over gesehen, ist die Branche in der Defensive."
"Was uns Sorge bereitet, ist, dass große Einheiten ihre Entscheidungen nicht mehr in Österreich treffen." Daraus ergäbe sich die Gefahr, dass Österreich zu einem reinen Software-Zulieferland werde.
Die [blau-schwarze] Regierung habe in der Standortpolitik "genau so viel und so wenig weitergebracht wie alle vorherigen Regierungen", meinte VÖSI-Präsident Peter Kotauczek.
"Es ist etwas in Bewegung"
Weiter äußerte er sich zur politischen Situation: "Personen, von denen man es am wenigsten erwartet hat, sagen Dinge, auf die wir schon lange gewartet haben. Und Personen, von denen wir es seit Jahren erhofft haben, sagen nichts dergleichen. Es ist etwas in Bewegung."
