Die Kunst der Einfachheit
Die Electrolobby der Ars Electronica ist heuer unter dem Titel "Make it simple" gestanden. Das Thema "Simplicity - the art of complexity" wurde dort in die Praxis umgesetzt. Die Gruppe Arduino entwickelte Workshops für Open Hardware, um auch Design-Studenten die Angst vor komplexer Technik zu nehmen.
"Wir hatten ähnliche Vorstellungen, wie man Design-Studenten Elektronik beibringen kann. Wir machen immer diesen Scherz, dass wir versuchen, fünf Jahre Ausbildung auf fünf Tage zu komprimieren. Wir versuchen, komplexes Wissen einfach und verständlich zu vermitteln", sagt David Cuartielles über die Motivation für die Gründung von Arduino.
"Wir wollen zeigen, dass man interessante Ergebnisse erzielen kann, ohne viel über bestimmte Technologien zu wissen."
Technologien einfacher gestalten
Arduino entstand im Jahr 2005 am Interaction Design Institute Ivrea in Norditalien, ihre Mitglieder stammen aus mehreren Städten in Europa.
Cuartielles sieht die Arbeit von Arduino und auch die anderen Workshops zu Open Hardware und Open Software in der Electrolobby in einem größeren Zusammenhang.
Initiatoren sind der Spanier Cuartielles, der an der Universität Malmö in Schweden arbeitet, sowie Massimo Banzi und Dave Mellis vom Institut in Ivrea. Ziel ist es, der Design- und Kunst-Community Werkzeuge und Anleitungen zur Entwicklung alternativer elektronischer Interfaces zur Verfügung zu stellen.
Hacken statt wegwerfen
Zukünftigen Designern die Scheu vor der Technik zu nehmen, sei ein Weg, Technologien einfacher zu gestalten. Denn Designer, ergänzt Massimo Banzi, hätten einen anderen Zugang zu neuen Produkten als Techniker, die durch ihre Ausbildung auf eine bestimmte Art, Aufgaben zu lösen, fixiert seien.
"Früher haben die Leute mehr selbst gemacht und Dinge repariert. Dann breitete sich in den Industrieländern diese Kultur aus, nichts zu reparieren, sondern es wegzuwerfen", beobachtet Banzi.
Probieren geht über Studieren
Seit einiger Zeit gebe es jedoch einen Gegentrend: "Leute kaufen Dinge, nehmen sie auseinander, bauen sie um. Dazu gehört zum Beispiel das Hacken von Technologien. Was wir bei Arduino machen, ist, den Prozess des Lernens umzudrehen. Normalerweise lernt man etwas in der Theorie und erst später wendet man sie an. Wir sagen: Tut einfach, spielt damit herum, probiert etwas aus. Später erklären wir euch dann, wie es funktioniert."
Das Schöne sei, so Banzi, dass viele High-Tech-Bauteile heutzutage so billig seien, dass man sie einfach zweckentfremden und völlig Neues damit ausprobieren könne. Oder man nehme ein billiges elektronisches Spielzeug und baue es um.
High-Tech für Bastler
In der Electrolobby entstanden aus Prozessoren, Chips, Widerständen, Transistoren, Kabeln und LEDs zum Beispiel lustige kleine Papp-Roboter mit blinkenden Augen und experimentelle Musikinstrumente.
Kein Respektabstand, sondern begreifen
Die Arduino-Workshops sollten den Menschen den Respekt und die Angst vor Technologien nehmen, so Banzi weiter. Außerdem lerne man eben am besten, wenn man Dinge ausprobiere.
Er habe sich sein Wissen über Mechanik und Elektronik auch so angeeignet: "Als ich ein Kind war, habe ich alles auseinander genommen und irgendwie wieder zusammengesteckt. Ist irgendwas explodiert, wusste ich, dass ich das wohl anders machen sollte. Als ich zu unterrichten begann, habe ich so unterrichtet, wie ich es von der Uni kannte, aber die Studenten haben nichts gelernt. Also habe ich überlegt: Wie war das bei mir? Ich habe dann begonnen, meine Studenten einfach herumprobieren zu lassen, und das hat funktioniert."
matrix, Ö1, 10.9.2006, 22.30 Uhr
Make it simple – Die Ars Electronica demonstriert Einfachheit. Eine Reportage über die Electrolobby und andere Projekte von Sonja Bettel.
Access to all areas – Technologien ohne Barrieren? Eine Zusammenfassung des Prix-Forums "Digital Communities" von Ina Zwerger.
(Sonja Bettel)
