07.11.2002

FORSCHUNG

Bildquelle: IBM

Halbleiter mit fataler Umweltbilanz

Laut einer aktuellen Studie der United Nations University in Tokio übertrifft "der Einfluss, den Mikrochips auf die Umwelt haben" ihre geringe Größe wortwörtlich "bei weitem".

Der Materialaufwand für die Herstellung der Halbleiter ist demnach enorm: Schätzungen der Forscher zufolge werden zur Produktion eines einzigen Zwei-Gramm-Chips mindestens 32 Liter Wasser, 72 Gramm Chemikalien und 1,6 Kilogramm fossile Brennstoffe benötigt.

Die Forscher um Eric Williams erstellten eine Material- und Energiebilanz eines 32-MB-DRAM-Riegels. Sie verfolgten dessen Lebenszyklus durch jeden Produktionsschritt vom Rohmaterial bis hin zum Endprodukt.

Konzept auf dem Prüfstand

Die Ergebnisse haben wesentliche Auswirkungen auf die Diskussion der "Dematerialisation", also jenes Konzepts, bei dem der technologische Fortschritt zu einer drastischen Reduktion des Materialanteils und Energieverbrauchs des produzierten Gutes führen sollte.

Halbleiter werden auf Grund der enormen Leistungsfähigkeit bei minimaler Größe häufig als Paradebeispiel der Dematerialisation angeführt. Die neuen Ergebnisse legen allerdings nahe, dass dies möglicherweise nicht zu Recht geschieht.

Hoch organisiert

Williams schätzt, dass es einen generellen Trend in Richtung niedrig entropischer Produkte gibt. Entropie ist eine Maßzahl für die Unordnung in einem System.

Halbleiter besitzen eine extrem niedrige Entropie, das heißt, sie sind hoch organisiert. Weil diese aber aus hoch entropischen Ausgangsmaterialien wie Quartz produziert werden, benötigt ihre Fabrikation viel Energie:

"Da die Industrie immer mehr hochtechnische und hoch organisierte Produkte herstellt, könnte mit einem kontinuierlichen Energie- und Chemikalienverbrauch zu rechnen sein", so Williams.

Noch ist aber nicht klar, wie die hohe Energiebelastung durch Einsparungen im Zuge der steigenden Herstellungseffizienz ausgeglichen wird.