05.11.2002

US-WAHL

Bildquelle: fuZo

Touchscreens statt Stimmzettel

Die US-Bürger sind am Dienstag dazu aufgerufen, den Kongress neu zu wählen. Rund ein Fünftel der Wahlberechtigten gibt seine Stimme dabei erstmals im Wahllokal via Touchscreens auf Wahlcomputern ab.

Die quälende händische Auszählung soll mit einer Vernetzung der Wahllokale bald der Vergangenheit angehören.

Doch noch zweifeln einige Experten, ob die Wahlcomputer so sicher sind, wie ihre Hersteller es versprechen.

Streitpunkt: Sicherheit

"Die Leute glauben, die elektronische Stimmabgabe und -auszählung wird alle Probleme lösen," sagt Avi Rubin von den AT&T Labs. "In Wirklichkeit sind diese Systeme noch nicht ausreichend getestet."

Kritisiert wird vor allem, dass die Software der Computer urheberrechtlich geschützt ist, und deswegen keine genaue öffentliche Überprüfung möglich ist. Solange die Wissenschaftler die Systeme nicht unbehindert analysieren können, lassen sich Sicherheitslücken die ein Hacken, Stimmen-Verfälschung oder eine falsche Auszählung der Stimmen möglich machen, nicht ausschliessen.

Die Hersteller der Systeme hingegen sind der Meinung, sie hätten genügend Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz der Daten getroffen.

Die Daten werden verschlüsselt und mit digitalen Signaturen versehen, außerdem werden immer zwei Back-ups der abgegebenen Stimmen erstellt, für den Fall eines technischen Problems. Weiters wird jegliche Änderung der Daten erkannt und mitgeloggt.

Um zugelassen zu werden, müssen die Systeme die strikten Sicherheitsstandards der Federal Election Commission und der National Association of State Election Directors bestehen.

18 Prozent wählen derzeit mit Pixelkreuz

Schon bei den Präsidentschaftswahlen im Jahr 2000 wurden 10 Prozent aller Stimmen über einen Wahlcomputer eingegeben. Dieses Jahr sollen bis zu 18 Prozent der Wahlberechtigten ihr Kreuzchen mit dem Tochscreen machen.

Doug Lewis, Chef des Election Centers in Houston, Texas, ist zwar überzeugt, dass die heutigen Systeme wesentlich sicherer sind als die Stimmabgabe auf Papier, doch das perfekte System gibt es seiner Meinung nach noch nicht. "Wenn ein Mensch dieses System geschaffen hat, kann es ein anderer auch verfälschen oder ändern."

"Die Maschinen sind noch ganz neu für uns, wir müssen erst herausfinden, was die Stärken und was die Schwachpunkte der elektronischen Stimmabgabe sind."

75 Prozent könnten bis 2010 eVoten

Laut Gesetz muss spätestens 2006 jeder Bezirk mit mindestens einem Wahlcomputer ausgestattet sein, da die Maschinen große Vorteile für Behinderte bieten.

Open-Source

Avi Rubin von den AT&T Labs tritt für eine Open-Source-Lösung für die Wahlmaschinen ein.

Müssten sich die knapp 20 Anbieter der eElection-Hard- und Software zusammensetzen und ihre Daten und Erfahrungen miteinander teilen, könnte ein robustes System entwickelt werden. Dieses System wäre laut Rubin dann sicher am besten vor Attacken und Fehlfunktionen geschützt.

Doch die Hersteller sind gegen eine Open-Source-Lösung. Sie sehen gerade in der Offenlegung ihrer Programme große Attackiermöglichkeiten für Angreifer. Weiters könnten sie nur durch Patente, die enormen Kosten für die Entwicklung der Systeme aufbringen.

Probleme in Florida

Einzelnen Pressemeldungen zu Folge haben die Touchscreencomputer in einigen Bezirken Floridas nicht überall reibungslos funktioniert, teilweise musste auf Stimmzettel zurückgegriffen werden. Auch in drei Bezirken in Georgia soll es Probleme gegeben haben.