Keine Lust auf Cyber-Lebensmittel
Unter den Konsumenten herrscht nach wie vor Zurückhaltung, was den Online-Kauf von Lebensmitteln betrifft. Der als Wachstumsmarkt gepriesene Lebensmittelverkauf über das Internet ist inzwischen für viele Handelskonzerne endgültig gescheitert.
Zwar bestellen immer mehr Konsumenten im Netz Bücher, Reisen, Musik-CDs und Kinokarten.
Doch Käse, Fleisch und Obst wollen die meisten Kunden direkt im Geschäft riechen, tasten und wiegen - nicht auf dem PC-Schirm begutachten und per Mausklick einkaufen.
"Träume des Handels waren groß"
"Die Träume des Handels waren groß", sagt Olaf Roik vom
Hauptverband des deutschen Einzelhandels [HDE]. Doch Studien
zeigten, dass der Online-Lebensmittelverkauf trotz
Millioneninvestitionen der Branche einen Anteil von unter 0,5
Prozent am Gesamtumsatz der deutschen Nahrungs- und Genussmittel
habe.
Anbieter verschwinden von der BildflächeZustellgebühr
Die Idee scheint prinzipiell gut: Statt die kostbare Freizeit in endlosen Warteschlangen an Supermarktkassen zu verbringen, werden Lebensmittel per Internet bestellt und dann gegen eine Gebühr bequem ins Haus geliefert.
Die Anbieter versprechen nicht nur frische und gekühlte Ware, sondern oft auch alle Sonderangebote der Supermärkte.
Doch vor allem die Frage, wie die verderblichen Waren frisch, zügig und kostengüstig an die Kunden geliefert werden können, stellt die Anbieter vor ein Logistik-Problem.
Versandhändler Otto im Vorteil
Während sich in Deutschland die großen Konzerne Spar und Karstadt
von ihren Online-Lebensmitteln verabschiedet haben, hat ein
traditioneller Non-Food-Händler die Führung beim
Lebensmittel-Lieferservice übernommen: Das Versandunternehmen Otto
betreibt den otto-supermarkt.de. Der Vorteil: Das Unternehmen kann
auf den konzerneigenen Logistiker Hermes zurückgreifen.
Keine Lust auf Cyber-WurstJagd- und Sammel-Instinkt
Handelsexperten glauben, dass der generelle Misserfolg beim Online-Lebensmittelhandel nicht nur wirtschaftliche Gründe hat.
Susan Fournier von der amerikanischen Harvard Business School ist der Ansicht, die Menschen gingen in die Supermärkte, weil das Stöbern und Einkaufen mit dem urwüchsigen Jagd- und Sammelinstinkt verbunden sei.
"Wir lieben es, Essen auszuwählen und zuzubereiten. Das ist eine Art, Liebe und Besorgnis für die Familie zu zeigen", schreibt Fournier in einer Studie.
Für viele Frauen mit kleinen Kindern sei der tägliche Einkauf zudem eine Gelegenheit, aus der Wohnung herauszukommen und im Geschäft um die Ecke einen Plausch mit Bekannten zu halten.
