03.11.2002

MICROSOFT

Bildquelle: orf on

"Nun wird uns massiv auf die Finger geguckt"

Ein amerikanisches Bezirksgerichts hat am Freitag den zwischen Microsoft, der Bundesregierung und neun Bundesstaaten erzielten Vergleich genehmigt.

"Erheblicher Einschnitt ins Geschäftsgebaren"

de.internet.com: "In ersten Reaktionen auf die gestrige Entscheidung im Kartellrechtsprozess gegen Microsoft hat Jon von Tetzchner, CEO des norwegischen Browser-Entwicklers Opera, gesagt das 'Microsoft zwar wegen Behinderung des Wettbewerbs verurteilt wurde, es aber keine Bestrafung' gebe. Sie sprechen dagegen davon, dass der Vergleich für Microsoft ein harter, jedoch fairer Kompromis sei. 'Hart' inwiefern, Herr Baumgärtner?"

Thomas Baumgärtner: "Das Urteil bedeutet schon einen erheblichen Einschnitt in unser Geschäftsgebaren. Das betrifft auch die Beziehung zu unseren OEM-Kunden, also den PC-Anbietern. Unter den Top 20 sind wir nun gezwungen, allen die gleichen Rabattstaffeln zu gewähren. Das lief früher anders, weil das Sachen sind, bei denen sich ein Unternehmen erst mal so gar nichts denkt.

"Gefahr der Steigbügelhalterei"

de.internet.com: "Aber von einer Entwicklung von Konkurrenzprodukten, die ihre Software aus dem Markt drängen, ist auf diesem Wege doch wohl kaum auszugehen."

USA "kein Entwicklungsland"

de.internet.com: "Insgesamt hat sich mit der richterlichen Entscheidung doch wieder einmal nur das herrschende Monopol durchgesetzt. Hat nicht die Bush-Regierung eine monopolfreundliche Entscheidung besonders massiv betrieben?"

Thomas Baumgärtner: "Es mag so aussehen. Ich sehe das nicht so, denn es wird hierzulande immer so getan, als ob es so etwas wie Gewaltenteilung nur in Deutschland, nicht aber in den USA gibt. Das ist kein Entwicklungsland, wo richterliche Entscheidung nach dem Willen der Regierung gefällt werden.

Weitere Freigaben

de.internet.com: "Eine Forderungen des jetzt verabschiedeten Kompromisspapiers mit dem US-Justizministerium haben sie ja bereits umgesetzt. Mit dem Service Pack 1 für das Betriebssystem Windows XP bietet Microsoft erstmals die Option, die festinstallierte Programmkomponenten, die sogenannten Middleware, wie den Internet Explorer und Media Player individuell zu deinstallieren. Sind hier weitere Schritte geplant?"

Thomas Baumgärtner: "Das muss man sehen, aber das Ende der Fahnenstange ist hier sicherlich noch nicht erreicht. Wir müssen nun auch die 113 Protokolle für die Schnittstellenentwicklung freigeben, wobei wir streng überwacht werden."