30.10.2002

AUFGEGEBEN

Bildquelle: gov.cn

Gerangel um chinesische Domains beendet

China scheint den Plan zur Einführung eigener, gänzlich auf chinesischen Schriftzeichen basierender Webadressen fallen gelassen zu haben.

Chinesische Offizielle haben beim gerade tagenden World-Internet-Kongress in Shanghai bestätigt, dass die Regierung keine weiteren Pläne diesbezüglich habe.

Hu Qiheng, Vorsitzende der staatlichen Internet-Gesellschaft in China, sagte, Peking beabsichtige, Adressen in chinesischen Schriftzeichen zu kontrollieren, deren Endung ".cn" ist. Das sei eine Erweiterung der bisher ausgeübten Praxis bei Englisch-basierten Webadressen.

CNNIC "technisch überlegen"

Vertreter des China Network Information Center [CNNIC] beschuldigten damals VeriSign, Chinas Souveränität zu verletzen und einen minderwertigen Standard einzuführen. Die vom CNNIC verwendete Technologie sei überlegen, sagte CNNIC-Direktor Mao Wei damals.

Der Standard seines Instituts erlaube es nämlich, auch die Endung ".cn" in Schriftzeichen zu schreiben. Unter dem System von VeriSign muss die Endung ".com" weiterhin in lateinischen Buchstaben geschrieben werden. "Chinesische Domains sollten vollständig chinesisch geschrieben werden können", sagte Wei.

Das CNNIC sei allein für diese Aufgabe zuständig. Das halb offizielle CNNIC hatte damals seinerseits neun chinesische Firmen benannt, die Registrierungen vornehmen dürfen.

Technische Schwierigkeiten

Die Umsetzung eines eigenen, rein chinesischen Systems dürfte auch an den technischen Schwierigkeiten gescheitert sein.

Die unterschiedliche Schreibweise von chinesischen Zeichen birgt weiteren Komplikationen.

Nach der Revolution 1949 hatte die chinesische Regierung vereinfachte Schriftzeichen eingeführt. Taiwan, Hongkong, Singapur und andere Chinesisch sprechende Staaten verwenden noch die alte Schreibweise oder eine Mischung aus beiden Systemen.

20 Prozent der Dot.com-Namen, die in traditioneller Schreibweise registriert wurden stehen so in Konflikt mit gleich lautenden in vereinfachter Schrift. Mit diesen Schwierigkeiten könnte China auch an die Grenzen des finanziell und technisch machbaren gestoßen sein.

Sechs USD pro Registrierung

Auch Geld spielt im Kampf um die Vergabe der chinesischen Domains eine nicht unbedeutende Rolle.

VeriSign hat bis jetzt eine Million der neuen Webadressen registriert, die meisten davon in chinesischen Schriftzeichen. Bei einem Stückpreis von sechs USD ein lukrativer Markt.