IT-Arbeitsmarkt normalisiert sich
Die Österreichische Computergesellschaft [OCG], das Arbeitsmarktservice [AMS], der Personalberater Robert Fitzthum sowie der Online-Stellenmarkt Jobpilot präsentierten am Mittwoch aktuelle Zahlen zur Situation am IT-Arbeitsmarkt.
"Nichts Genaues weiß man nicht", könnte man sich die Sache einfach machen. Denn weder ist derzeit genau abgrenzbar, was zum IT-Arbeitsmarkt gezählt werden soll und was nicht, noch ist die Erfassung genauer Zahlen lückenlos möglich.
Dennoch sind aus dem präsentierten Zahlenmaterial ungefähre Trends und Größenordnungen ableitbar. Unumstritten ist: Die Arbeitsplatzsorgen im IT-Bereich sind nicht mit anderen Branchen zu vergleichen.
Einschätzung der Lage
2001 war das letzte Boom-Jahr der IT-Branche, lediglich zehn bis
15 Prozent der Branche hätten seither das "klassische"
New-Economy-Schicksal mit raschem Wachstum und folgendem Absturz
erlitten. Für 2002 erwartet man ein Wachstum des Marktes zwischen
zwei und fünf Prozent, die Jobsituation soll gleichbleiben.
OCGRelativ wenig Arbeitslose
Die Arbeitslosenrate im September war laut OCG mit 1,8 Prozent [etwa 2.200 Beschäftigungslosen] im IT-Bereich zwar historisch gesehen eher hoch, gegenüber dem Gesamtarbeitsmarkt jedoch sehr niedrig. Auffallend ist, dass zwei Drittel dieser Beschäftigungslosen Akademiker sind.
Dennoch hätten Akademiker auch auf dem IT-Arbeitsmarkt weitaus die besseren Chancen, so die einhellige Meinung.
"Der Markt normalisiert sich", so Günther Krumpak von der OCG: "Österreich ist im europäischen Vergleich gar nicht so schlecht unterwegs."
"Vor zwei, drei Jahren hatten wir einen reinen Bewerbermarkt. Oft konnten die Leute aus 40 Stellenangeboten auswählen. Derzeit verzeichnen die Unternehmen richtige Wellen von Initiativbewerbungen", stellte auch Thomas Andres vom Jobpilot einen Wandel fest.
Gleichzeitig seien echte Spezialisten, die beispielsweise mehrere Programmiersprachen beherrschen, sehr gesucht.
Jobpilot-Statistik
Andres teilte einige aktuelle Zahlen aus seinem Unternehmen mit:
Derzeit seien etwa 1.700 Stellenangebote online, zu Bestzeiten seien
es doppelt so viele gewesen. Dabei seien rund 450 aus den Bereichen
IT, Telekom, Internet und Multimedia. Diese Zahl halte sich seit
etwa sechs Monaten stabil. Etwa 300 seien "Hardcore"-Jobs für
Entwickler oder SAP-Spezialisten, rund 150 für Aufgaben wie Vertrieb
und Marketing. Dem stünden etwa 3.000 Lebensläufe von potenziellen
Interessenten und monatlich neue Rekordzahlen bei den
Page-Impressions gegenüber.
JobpilotAMS vor großer Aufgabe
Maria Hofstätter, Leiterin der Qualifikationsforschung beim AMS, präsentierte eine "ganz aktuelle Studie", in deren Rahmen die Stelleninserate in 18 Tageszeitungen, einer Wochenzeitung, fünf Online-Jobbörsen sowie auf zwei Firmen-Websites untersucht wurden.
Aus den gewonnen Erkenntnissen will das AMS nun den Weiterbildungsinstitutionen Empfehlungen geben.
Da das Gesamtbudget des AMS für Weiterbildungsmaßnahmen auf 28 Millionen Euro beschränkt ist, sind umfassende IT-Spezialisierungsangebote nicht zu erwarten.
Auf Seiten der OCG ist man froh darüber, dass das AMS begonnen hat, sich dem IT-Bereich zu widmen.
So werden nun Mitarbeiter des AMS im Rahmen von Briefing-Veranstaltungen mit Grundbegriffen der Computerwelt vertraut gemacht, um IT-Arbeit Suchenden besser zur Seite stehen zu können.
40 offene, 450 gesuchte Lehrstellen
Aktuelle Zahlen konnte das AMS vom Lehrlingsmarkt nennen. Ende
September wollten 450 Jugendliche eine Lehrstelle im IT-Bereich
annehmen. Dem standen 40 offene Lehrstellen gegenüber.
Das Berufsinformationssystem des AMSIT-Bereich braucht mehr Fachkräfte
Der Personalberater Robert Fitzthum hält früher kolportierte Zahlen, wie viele Zehntausend Fachkräfte bald fehlen würden, für nicht haltbar. Aber die derzeit 2.300 bis 2.500 Fachkräfte, die jährlich von den HTLs, Universitäten und Fachhochschulen hervorgebracht würden, seien viel zu wenig.
"Eine Verdreifachung muss das Ziel sein. Die Computer werden nicht verschwinden." Dies brauche aber Zeit und "Lehrer, die so gut verdienen, dass die den Verlockungen der Privatwirtschaft widerstehen".
"Ohne Zweifel wird der IT-Bereich in einem Aufschwung eine bedeutende Rolle spielen", war sich der Personalberater sicher.
Zahl der IT-Inserate seit 2001 stetig gesunken
Fitzthum beobachtet laufend die in den Tageszeitungen "Kurier",
"Standard" und "Presse" ausgeschrieben IT-Positionen. Die Anzahl der
inserierten Stellen ist seit dem ersten Quartal 2001 stetig
gesunken.
Nachfrage nach IT-Fachkräften stagniert
