ICN-Stellenlösung als Branchenvorbild
Die deutsche Gewerkschaft IG Metall betrachtet die Einigung mit Siemens über einen Stellenerhalt in der angeschlagenen Netzwerksparte als Modell für andere High-Tech-Unternehmen.
Die Idee einer Arbeitszeitverkürzung mit einer Beschäftigungsgesellschaft könne Vorbild für die von Schließung bedrohten Werke von Lucent, Nortel, Ericsson und Alcatel in Deutschland werden, sagte Wolfgang Müller, Leiter des Siemens-Teams der Gewerkschaft, am Montag in München.
Die IG Metall hatte sich mit Siemens darauf geeinigt, am Standort Hofmannstraße in München maximal 1.100 der ursprünglich geplanten 2.300 Arbeitsplätze abzubauen.
Rund 1.100 Mitarbeiter sollten für längstens zwei Jahre mit abgesenkten Gehältern in eine Qualifizierungs- und Beschäftigungsgesellschaft wechseln, sagte Heribert Fieber, Betriebsratschef in der Hofmannstraße. Dieses Modell habe den Vorteil, dass die Mitarbeiter zu Siemens zurückwechseln könnten, wenn das Telekom-Geschäft wieder besser laufe. Dies sei günstiger, als Ingenieure erst zu entlassen und dann bei einem Anspringen der Konjunktur wieder zu suchen.
ICN-Mitarbeiter verhindern JobabbauArbeitszeitverkürzung
Die Mitarbeiter an der Hofmannstraße sollen nach Angaben der IG Metall einer Arbeitszeitverkürzung von 2,5 Stunden pro Woche zustimmen. Zudem sollen ursprünglich ausgelagerte Werkverträge wieder ins Unternehmen zurückgeholt werden.
Für den von Stellenstreichungen ebenfalls bedrohten Siemens-Bereich Industrielle Dienstleistungen [I&S] habe das ICN-Modell keinen Pilotcharakter. "Dort gibt es nicht zu wenig, sondern zu viel Arbeit", sagte Müller.
Eine Arbeitszeitverkürzung habe keinen Sinn, weil die Mitarbeiter von I&S voll ausgelastet seien. Siemens hatte im Mai angekündigt, in diesem Bereich würden 7.000 Stellen wegfallen oder von Partnern übernommen.
