Buchstaben als Popstars
Die plattform-unabhängige Seitenbeschreibungssprache PostScript hat seit Mitte der 80er Jahre dazu beigetragen, professionelle Werkzeuge zur Erzeugung von Schriften auch für unabhängige Entwerfer verfügbar zu machen.
Durch die Demokratisierung der Produktionsmittel gelten heute neue Spielregeln im typografischen Handwerk. Neben den etablierten Schriftenherstellern fungieren immer mehr Homestudios als Lieferanten neuer Schriften.
Wie in der Popmusik wird heute in der Schriftgestaltung wild drauflos gesampelt. Dieser Umbruch - von manchen als die zweite Revolution nach Gutenberg bezeichnet - hat in den
vergangenen Jahren zu einer großen Vielfalt von Zeichensätzen geführt.
Schriften-Schau
"postscript: Zur Form von Schrift heute" heißt eine Ausstellung,
die noch bis zum 1. Dezember im Wiener Künstlerhaus zu sehen ist. In
Momentaufnahmen versucht postscript, die unterschiedlichen Tendenzen
zeitgenössischer Schriftgestaltung darzustellen.
Ein typografisches ProjektSchrift schafft Identität
Schon König Ludwig XIV. setzte einen ganzen Stab von Wissenschaftern ein, die eine nach rationalen Gesichtspunkten konzipierte Schrift für seinen exklusiven Gebrauch erstellen sollten.
Heutzutage verwenden Konzerne oder Labels eigene Schriften, die zu essenziellen Bestandteilen ihres Corporate Designs werden.
Dazu bietet die Ausstellung im Wiener Künstlerhaus ein visuelles Quiz. In den üblicherweise von bestimmten Marken verwendeten Schriften werden andere Wörter angezeigt: Kann die Schrift dennoch der Marke zugeordnet werden?
Sie kann. Werbung wirkt nachhaltig.
Die Tendenz der Indivudalisierung beschränkt sich jedoch nicht auf den kommerziellen Bereich, auch
Künstler und kulturelle Institutionen legen sich, so der Designer Andreas Pawlik, individuelle "Handschriften"
zu.
Sonntag 22:30 im Ö1-Magazin matrix
Matrix hat sich im Künstlerhaus umgesehen und bei den
Ausstellungsgestaltern Eva Kraus, Martina Fineder und Andreas Pawlik
umgehört.
matrix - computer & neue medien
