Musiktauschbörse einmal anders
Die kalifornische CD-Tauschbörse Lala.com hat seit Frühjahr schon 100.000 Nutzer angezogen. Im Ö1-Magazin "matrix" wurden die Betreiber zum Gespräch gebeten.
Die etwas andere Musiktauschbörse ist im Frühjahr dieses Jahres gestartet worden. Nutzer zahlen pro CD einen Dollar plus Porto. Der Tausch funktioniert nach einem simplen Kreditprinzip: Sobald eine CD aus dem eigenen Bestand verschickt wird, erreicht eine neue Silberscheibe den Briefkasten.
Zwei Millionen CDs
Lala.com hat nach fünf Monaten Beta-Test rund 100.000 Kunden. Jedes Mitglied tauscht nach Angaben des Lala-Sprechers John Kuch rund acht bis zehn CDs pro Monat. "Wir haben zudem um die zwei Millionen CDs im Angebot", so Kuch. "Das ist acht Mal so viel, wie eBay im Durchschnitt im Angebot hat."
Trotz dieses riesigen Katalogs betreibt Lala keine einzige Lagerhalle. Stattdessen vertraut man komplett auf die CD-Sammlungen der Mitglieder – ein Phänomen, das Kuch in Anlehnung an den "Wired"-Chefredakteur Chris Anderson "die unbegrenzte Verkaufsfläche des Webs" nennt.
"Wired"-Chefredakteur Chris Anderson hat dieses Jahr ein Buch mit dem Titel "The Long Tail" veröffentlicht. Anderson beschreibt darin, dass Web-Plattformen wie eBay und Lala.com Nischenkünstlern mehr Raum geben, da sie ohne die begrenzten Sortimente klassischer Einzelhändler auskommen.
~ Link: Neues Musikportal setzt auf CD-Sharing (../../http://www.fuzo-archiv.at/?id=97135v2) ~
Eine Stiftung für Zahnarztkosten
Lala.com ist von Plattenfirmen dafür kritisiert worden, dass es seinen Mitgliedern das Kopieren von CDs ermöglicht. Seine Betreiber halten dagegen, dass Bands bei ihnen nicht leer ausgehen.
"Wir geben Musikern 20 Prozent all unserer Tauscheinnahmen", erklärt Joch Kuch.
Gleichzeitig will man mit einer Stiftung dazu beitragen, Musikern beim Abschluss von Krankenversicherungen und beim Bezahlen von Zahnarztkosten zu helfen. "Viele Bands haben uns berichtet, dass das zwei ihrer größten Probleme sind", so Kuch.
Janko Röttgers sprach in Palo Alto mit den Lala-Betreibern über ihre CD-Tauschbörse. Astrid Schwarz hat das Wiener Netzkultur-Kollektiv monochrom porträtiert und Mariann Unterluggauer berichtet, wie man mit RFID-Handys spielend in Bewegung bleibt.
