Mensch und Maschine gleich schlau
Die Schach-Schlacht zwischen Schachweltmeister Vladimir Kramnik und dem deutschen Chessbase-Schachprogramm "Deep Fritz" ist Samstagnachmittag mit einem Remis im achten und letzten Spiel zu Ende gegangen.
Damit endete das Turnier Mensch gegen Maschine in Bahrain unentschieden mit einem 4:4.
Kramnik hatte Weiß und spielte erneut das Damengambit. Im Verlauf der Partie konnte er keine Stellungsvorteile erzielen und bot deshalb schon nach 21 Zügen und eineinhalb Stunden Spielzeit das Unentschieden an. Es war die kürzeste Partie im gesamten Match.
800.000 USD für Kramnik
Von dem Preisgeld in Millionenhöhe, das Bahrains König Hamad bin
Isa Al Khalifa ausgelobt hatte, erhält der Weltmeister 800.000 USD.
An die Firma ChessBase aus Hamburg, die Deep Fritz entwickelte,
gehen 200.000 USD. Sie sollen in eine Stiftung zur Entwicklung des
Jugendschachs fließen.
Brains in BahrainDer Verlauf des Turniers
Am Anfang des Turniers schien es so als sei es ein Leichtes für Kramnik seinen Computergegner zu schlagen. Nach einem Remis im ersten Spiel, gewann er die Spiele zwei und drei und schien dabei nie in Gefahr.
Spiel vier endete wieder mit Gleichstand. Doch nach einem Fehler Kramniks konnte Deep Fritz das fünfte Spiel erstmals für sich entscheiden. In Spiel Nummer 6 musste Kramnik zum zweiten Mal aufgegeben. "Deep Fritz" glich somit auf 3:3 aus.
In den letzten beiden Spielen war Kramnik sichtlich nervös und bot jeweils schon vor dem 30ten Zug in ausgeglichener Stellung eine Punkteteilung an. Die deutschen Entwickler des Fritz-Programms nahmen die Remis-Offerte in beiden Spielen an.
Vladimir Kramnik
In Schachkreisen wird das 27jährige Schachgenie Kramnik [am Foto beim Endspiel gegen Fritz] wegen seiner Nervenstärke "Mr. Iceberg" genannt. Der ehemalige Schüler von Weltmeister Kasparov schlug im Jahr 2000 seinen Meister vernichtend.
Deep Fritz
Deep Fritz lief in Bahrain auf einem Rechner mit acht Xeon-Prozessoren, die mit jeweils 900 MHz getaktet waren.
Mehr als 3,5 Millionen berechnete Positionen pro Sekunde soll er analysieren können. Er besiegte bereits menschliche Gegner wie Kasparov, Anand und Shirov. Auch Maschinen waren Fritz als Gegner bisher nicht gewachsen.
Deep Blue etwa, der legendäre IBM-Schachcomputer, der Garry Kasparov 1997 besiegte, war gegen Fritz machtlos. Auch Deep Junior konnte Deep Fritz im Spiel über 25 Partien besiegen. Deep Fritz und Deep Junior liefen beim Wettkampf jeweils auf identischen Dual-Prozessor-Maschinen [Pentium III, 900 MHz].
Kasparov im Dezember gegen Deep Junior
Ex-Weltmeister Garry Kasparov wird im Dezember in Jerusalem gegen
das israelische Schachprogramm "Deep Junior" antreten. IBM hat das
Deep-Blue-Projekt aufgelöst, das Programm steht zu keinen weiteren
Wettkämpfen bereit.
KasparovDie letzte Partie zum Nachspielen
Kramnik gegen Deep Fritz: 1.d4 Nf6 2.c4 e6 3.Nf3 d5 4.Nc3 c6 5.Bg5 Be7 6.e3 0-0 7.Bd3 Nbd7 8.0-0 dxc4 9.Bxc4 Nd5 10.Bxe7 Qxe7 11.Rc1 Nxc3 12.Rxc3 e5 13.Bb3 exd4 14.exd4 Nf6 15.Re1 Qd6 16.h3 Bf5 17.Rce3 Rae8 18.Re5 Bg6 19.a3 Qd8 20.Rxe8 Nxe8 21.Qd2 Remis.
