16.10.2002

PORTABILITÄT

Bildquelle: ORF

Chaos bei Rufnummernmitnahme erwartet

In einem Interview mit der futureZone hat Mobilkom-Austria-Manager Boris Nemsic am Mittwoch über seine Einschätzung der Rufnummernportabilität im Mobilfunkbereich [MNP] gesprochen.

Er bezweifle die gute Absicht der EU[-Kommission] nicht. Auch läge es in der Natur der Sache, dass größere Netzbetreiber durch MNP Kunden verlören.

Technisch sei MNP aufwendig, aber jedenfalls machbar. "Was ich aber ablehne, sind Nachteile für den größeren Teil der Kunden", sagte Nemsic.

Begehrte Geschäftskunden

"Es wird Vorteile für wenige und Unannehmlichkeiten für alle geben." meinte der Mobilkom-Chef. Durch die nicht mehr fehlerfrei mögliche Zuordnung von Vorwahlen zu Mobilfunknetzen ginge die Tariftransparenz verloren. "Das Chaos ist vorprogrammiert."

Die von manchen Experten prophezeite Vereinheitlichung der Endkundentarife sieht Nemsic auf Grund der asymmetrischen Festlegung der Gebühren, die Netzbetreiber untereinander entrichten müssen [ICF], nicht. Gegen eine Vereinheitlichung dieser Gebühren hätte er indes nichts, da er sie als ungerecht und als Bestrafung für die Effizienz seines Unternehmens empfindet.

Im Gegensatz zum Konkurrenten telering, wo man durch die Einführung der Portabilität gerade bei Businesskunden größere Wechselbereitschaft erwartet, erwartet Nemsic hier keinen besonderen Effekt. "Business-Kunden bleiben nicht wegen der Nummer, sondern wegen der Dienste", wie etwa VPN [Virtual Private Networks], glaubt der Marktführer.

T-Mobile zurückhaltend

Die Österreich-Tochter des deutschen Ex-Monopolisten T-Mobile glaubt, dass MNP "auch im Hinblick auf den¿Wirtschaftsstandort Österreich nur geringe Wirtschaftlichkeit aufweist".

Für die Umsetzung wäre hoher technischer Aufwand mit noch nicht voll abschätzbaren Kosten erforderlich, während sich das Kundeninteresse in anderen Ländern "in Grenzen" gehalten habe.

Wie auch bei der Mobilkom sieht man die Tariftransparenz für Endkunden gefährdet. "T-Mobile Austria vertraut hier darauf, dass der österreichische Gesetzgeber den effizientesten Weg zur Einführung von MNP in Österreich finden wird¿, heißt es in der der fuZo übermittelten Stellungnahme.