11.10.2002

VERDACHT

Bildquelle: orf on

Ebay toleriert angeblich Betrüger

Immer wieder werden spektakuläre Betrugsfälle bekannt, bei denen Ebay-Nutzer durch getürkte Auktionen oder schlicht nicht gelieferte Waren geschädigt werden.

Das Online-Auktionshaus bekräftigt in diesem Zusammenhang immer wieder, konsequent und mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen die Betrüger vorzugehen.

Nach zahlreichen Leserhinweisen kommt das Online-Magazin "MSNBC" allerdings zu einer ganz anderen Schlussfolgerung: Demnach ignoriert Ebay Hinweise auf Unregelmäßigkeiten besonders oft, wenn umsatzstarke "Powerseller" involviert sind.

Beschwerdeflut

Auch die Spezial-Site "The Auction Guild" bekommt immer wieder Berichte von Lesern, deren Beschwerden von Ebay angeblich ignoriert wurden. Gleichzeitig sollen verdächtige Anbieter, auf die sich die Beschwerden bezogen, ungehindert weiter agieren können.

"MSNBC" hat daraufhin eine Reihe von Fällen näher untersucht und das Schema zumindestens in vier konkreten Fällen bestätigt gefunden.

Demnach wurde ein "Powerseller" nur milde verwarnt, nachdem ihm Scheinangebote nachgewiesen werden konnten, mit denen er den Preis eigener Angebote in die Höhe getrieben hatte. In zwei anderen Fällen von "Phantom-Geboten" wurden die Betrüger nur für 24 bzw. 48 Stunden gesperrt, danach konnten sie ungehindert weiter agieren.

Umsatzstark

"Powerseller" werden Menschen genannt, die den professionellen Handel mit Waren bei Online-Auktionshäusern zu ihrem Beruf gemacht haben.

Der Geschäftsführer des mit fünf Millionen Nutzern größten deutschsprachigen Auktionshauses Ebay Deutschland, Philipp Justus, reklamiert für sein Unternehmen sogar die Erfindung des Begriffs "Power-Selling":

"Menschen, die in größeren Mengen verkaufen, haben wir zu Powersellern verschiedener Größenordnungen ernannt."

Geschäftspolitik

Neben den konkreten Fällen, in denen Ebay nicht oder nur ungenügend auf betrügende Powerseller reagiert hat, die das Auktionshaus allerdings nicht kommentieren wollte, gibt es aber noch weitere Hinweise auf die "schonende" Behandlung der Umsatzbringer.

So bestätigte ein ehemaliger Ebay-Angestellter, der in der zuständigen "Safe Harbour"-Abteilung gearbeitet hat und anonym bleiben wollte, dass gemeldeten Verdachtsfällen insbesondere, wenn Powerseller involviert seien, nur äußerst lax nachgegangen würde.