08.10.2002

RESTROOMS

Bildquelle: Photodisc

High-Tech in Japans Häuseln

In Japan gehören High-Tech-Toiletten, die ihren Nutzern jeden Komfort bieten, immer mehr zum Standard.

Die neuesten Modelle lassen keine Wünsche offen: Der Deckel ist beheizt und öffnet sich automatisch, eine Musikkulisse überdeckt unangenehme Geräusche, ein Duftspender unangenehme Gerüche, gespült wird automatisch, und auch eine integrierte Putzvorrichtung ist meist vorhanden.

Und auch das Internet soll nach japanischen Vorstellungen schon bald am stillen Örtchen Einzug halten.

Misst Körperfettgehalt und spielt Musik

Matsushita hat im Februar einen Toilettensitz vorgestellt, der mit Elektroden ausgestattet ist und so den Körperfettgehalt des Nutzers feststellen kann.

Im April konterte die Konkurrenz der Firma Inax mit einer Toilette, die im Dunkeln leuchtet und den Sitz hochklappt, sobald der Infrarot-Sensor einen potenziellen Benutzer ausgemacht hat.

Während des Gebrauchs spielt das Klo eine Auswahl von sechs verschiedenen Soundtracks. Auch Vogelgezwitscher, das Rauschen eines Wasserfalls und Melodien mit der traditionellen japanischen Harfe werden angeboten.

Der beliebte Wasser-Jet-Strahl

Matsushita hat im Mai einen 3.000 USD teuren "Thron" vorgestellt, der seinen Benutzer mit Auf- und Zuklappen des Deckels begrüßt und außerdem über zwei Luftdüsen die Temperatur im ganzen Raum bestimmen kann - als Klimaanlage im Sommer und als Heizung im Winter.

Chef-Ingenieur Hiroyuki Matsui erklärt stolz: "Man kann die Badezimmertemperatur in nur 30 Sekunden um sieben Grad ändern." Der Nutzer kann optional auch im voraus programmieren, zu welchem Zeitpunkt der Raum von der Toilette auf welche Temperatur gekühlt oder geheizt werden soll.

Auch Temperatur und Druck des Wasser-Jet-Strahls, der das Gesäß waschen und gleichzeitig massieren soll, lassen sich selbstverständlich regeln.

Der Wasser-Jet-Strahl in der Toilette ist ein besonders beliebtes Feature bei den Japanern, nahezu die Hälfte der japanischen Haushalte ist mit so einer Vorrichtung ausgestattet. Bei ausländischen Besuchern führt das Hygiene-Highlight zu Verwirrung und meist recht unerfreulichen Ergebnissen.

Im Juni folgte "WellyouII" des Toiletten-Riesen Toto, eine Toilette, die über einen kleinen Greif-"Löffel" eine Urinprobe nimmt und auch sofort den Zuckergehalt misst.

Spracherkennung und Internet

Mit Mikrochips ausgestattet, sollen die Toiletten in Zukunft ihr Potenzial voll ausschöpfen und zum Beispiel den Benutzer mit einer persönlichen Audio-Begrüßung empfangen. Auch sollen die User ihren Thron schon bald über eine Sprachsteuerung bedienen können.

"Wir rechnen damit, in zwei Jahren eine Toilette auf den Markt zu bringen, die Sprachkommandos von Menschen versteht. Ein 'Sesam öffne dich', genügt dann, und der Klodeckel geht hoch", sagt Ryosuke Hayashi, Produktmamanger bei Toto.

Doch neben der Spracherkennung liegt vor allem die Ausweitung der medizinischen Funktionen im Trend.

"Wir wollen die Toilette zu einem heimischen Testlabor umfunktionieren", erklärt Matsushita-Ingenieur Matsui. "In Zukunft wird die Toilette das Gewicht, den Fettgehalt, den Blutdruck, Herzschlag, Blut-, Zucker- und Eiweißgehalt im Urin messen können."

Die Testergebnisse könnten dann über Internet via ein Mobiltelefon direkt vom heimischen Örtchen zum Hausarzt geschickt werden. So soll ein Patient über lange Zeit überwacht werden. Internet-Zugänge für Toiletten sollen in spätestens fünf Jahren zum Standard gehören.

Einfache Überwachung des Drogenkonsums bei vernetzter Toilette

Datenschützern graut jedoch beim Gedanken an die vernetzte Toilette. Nicht nur könnte so die gesamte Nahrungsaufnahme und Verdauung von Millionen Menschen überwacht werden, die Polizei könnte dieses Tool dazu gebrauchen, großräumig und verlässlich nach illegalen Substanzen im Urin zu suchen.