Kanada jagt Meeresverschmutzer
Gleich fünf kanadische Behörden haben sich zusammengetan, um mit einem High-Tech-Projekt die weitere Verschmutzung der sensiblen marinen Ökosysteme zu bekämpfen.
Die Umweltbehörde Environment Canada, das Verteidigungsministerium, das Verkehrsministerium sowie die Canadian Space Agency unterstützen die für Fischerei und Ozeane zuständige Behörde bei ihrem Versuch, Schiffe auf hoher See vom illegalen Reinigen ihrer Öltanks abzuhalten.
Ein in etwa 800 Kilometern Höhe befindlicher Satellit der Canadian Space Agency überwacht nun das Meer vor der Ostküste des zweitgrößten Landes der Welt.
Der Ablauf
Auf den Satellitenbildern des RADARSAT-1 sind Ölteppiche als
schwarze Flecken auf der ansonsten grauen Meeresoberfläche
auszumachen. Schiffe werden als hellweiße Punkte dargestellt.
Objekte werden ab acht Metern Größe erkannt. Werden ein weißer Punkt
und ein schwarzer Fleck in räumlichem Zusammenhang ausgemacht, wird
ein Flugzeug der Küstenwache losgeschickt, um den Vorfall vor Ort zu
überprüfen.
Mehr über den RADARSAT-1Erster Erfolg
Das Projekt wurde im September gestartet und verfügt für die ersten sechs Monate über ein Budget von umgerechnet nicht ganz 200.000 Euro. Es wird bereits über einen ersten Erfolg berichtet.
Neun Tage nach Start der Überwachung wurde vor der südlichen Küste Neufundlands, nahe eines der bedeutendsten Vogelreservate, ein Umweltsünder ertappt. Ein Flugzeug wurde losgeschickt und das Schiff zurück in den Hafen beordert. Jetzt wird unter dem Vorwurf, einen 116 Kilometer langen und 200 Meter breiten Ölstreifen verursacht zu haben, ein Verfahren nach dem "Migratory Birds Act¿ stattfinden.
Zwei weitere Umweltzerstörer wurden zwar gesichtet, konnten aber nicht durch Flugzeuge oder Schiffe abgefangen werden. Sie hatten in der Nacht ihr Öl abgelassen.
Kleinste Ölmengen können Vögel töten
Ray Browne, der das Projekt von St. John's aus leitet,
unterstreicht die Wichtigkeit seiner Arbeit: "Wir haben da ein sehr
schwerwiegendes Problem. Wir haben buchstäblich Millionen von
Seevögeln auf Grund dieser Form der Umweltverschmutzung verloren.
Und dabei handelt es sich nicht um Unfälle. Es sind kleine Ölmengen,
und im Winter reicht einen winzige Menge, um einen Vogel zu töten.
Eine münzgroße Ölmenge kann einen Vogel umbringen."
Die leitende BehördeBisher Überwachung nur mit Flugzeugen
Bislang musste die Überwachung auf Glückstreffer vertrauen. Mit Flugzeugen, die nur tagsüber eingesetzt werden können, wurden Überwachungsflüge durchgeführt.
Auf Grund der riesigen zu überwachenden Fläche ein relativ aussichtsloses Unterfangen. Jetzt können Rechtsbrecher auch bei schlechter Sicht und nachts erkannt werden.
Die kanadische Reedereivereinigung betont, dass heute nur mehr eine kleine Minderheit von Unternehmern illegal Öl ablässt, während das vor 20 Jahren gang und gäbe gewesen sei. Von höheren Strafen hält man bei der Organisation aber wenig.
Die theoretische Höchststrafe beträgt umgerechnet 642.000 Euro.
Allerdings belief sich die höchste tatsächlich verhängte Pönale auf nur umgerechnet 80.000 Euro. Die Reedereiorganisation verweist auf den indirekten Effekt: Niemand wolle erwischt werden, da die schlechte PR viel schwerer wiege als eine zu zahlende Strafe.
