Siemens setzt auf Mautkompetenz

Österreich
27.08.2006

Der Siemens-Konzern hat sich nach fast einjährigem Hin und Her doch für die Errichtung eines Mautkompetenzzentrums in Österreich entschieden.

Die entsprechenden Vereinbarungen über die neue Zentrale in Wien seien am Samstag mit dem Konzernvorstand besiegelt worden, so Siemens-Generaldirektorin Brigitte Ederer.

Siemens will damit nun doch weiter um Mautaufträge vor allem in Ost- und Südosteuropa mitbieten. Für die Österreich-Tochter bedeutet die neue Aufgabe einen zumindest kleinen Ersatz für Kommunikationssparte, die der Konzern vor kurzem in ein Joint-Venture mit Nokia einbrachte. Siemens bleibe ein großes Industrieunternehmen in Österreich, meinte Ederer.

Kein Mautauftrag für Siemens

Ursprünglich hatte sich Siemens gute Chancen für Bau und Betrieb des Lkw-Mautsystems in Österreich ausgerechnet. Der Auftrag ging aber schließlich an die italienische Autostrade. Unter dem Verlust leide Siemens immer noch, so Ederer.

Vor rund einem Jahr zog sich Siemens dann auch aus dem Vergabeverfahren für die Lkw-Maut in Tschechien zurück.

Die Leitung des Mautkompetenzzentrums wird der frühere Siemens-Generalsekretär Karl Strasser übernehmen. Wie viele Mitarbeiter die neue Maut-Zentrale haben wird, ist noch offen.

Sichere und unsichere Jobs

In der abgetrennten Kommunikationssparte hat Siemens in Österreich zuletzt über 1.000 Mitarbeiter beschäftigt. Rund die Hälfte davon wandert mit den Netzwerkbau zu Nokia.

Deren Jobs seien abgesichert, nachdem die Netzwerksparte in Österreich hoch profitabel gewesen sei, sagte Ederer. Der Bereich "Enterprise" dagegen, der in erster Linie Telefonanlagen umfasst, bleibt vorerst eine hundertprozentige Tochter von Siemens.

Auf Grund der "Produktschwäche" in diesem Bereich gebe es hier "sicher gewisse Sorgen", so die Generaldirektorin. Nun gehe es darum, Strategien zu entwickeln, um diese Lücke zu schließen - durch Verkehrstelematik oder durch die Mauttechnik.

Wachsen will das Unternehmen auch in der Verknüpfung von Software und Industrie.

Mit der Übernahme der VA Tech habe man den Kommunikationsbereich wenn auch nicht im Ergebnis zumindest im Volumen schon "sehr stark kompensiert". In der Gebäudetechnik der VA Tech-Elin hat der Konzern zuletzt 250 Mitarbeiter abgebaut. Die Integration, heißt es aus dem Unternehmen, sei damit abgeschlossen.

Mehr Flexibilität beim Personal

Die Siemens-Managerin drängt auf mehr Flexibilität beim Personaleinsatz. Konkret stellt sie sich auf der einen Seite einen längsten Durchrechnungszeitraum für Überstunden und auf der anderen Seite eine gewisse Jobgarantie vor.

Es könne "nicht sein, dass es bei einem stärkeren Arbeitsanfall Überstunden gemacht werden, und wenn wir dann keine Arbeit haben, dann schmeißen wir die Mitarbeiter hinaus. Da müsste das Unternehmen sagen, in der Phase halten wir die Leute."

Die Forderung von Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl nach einer Verkürzung der Kündigungsfristen ist für ihr Unternehmen dagegen im Moment "kein brennendes Problem". Auch eine Aufhebung der österreichischen Übergangsfristen für Arbeitskräfte aus den neuen EU-Staaten, wie das die Wirtschaft ebenfalls verlangt, ist für Ederer kein Thema.

(APA)