"Streifenpolizist" kontrolliert Funknetze
Der US-Geheimdienst Secret Service hat eine moderne Art des Streifenpolizisten eingeführt:
Agenten haben begonnen in Washington nach ungesicherten Funknetzen [WLANs] zu suchen, wobei sie sich der gleichen Methoden bedienen, die seit geraumer Zeit unter Hackern als "War Driving" beliebt sind.
Das Ansteuern offener WLAN-Verbindungen im Auto verspricht zunehmend Erfolg, da immer mehr Unternehmen ihre Büros mit drahtlosem Netzwerkzugang ausstatten. Da dieser oft auf die Strasse funkt und meist nicht sonderlich abgesichert ist, ist es für Geübte ein Leichtes, den Netzwerkverkehr abzuhören oder ins Netz einzudringen.
Dabei wird dies noch selten zur Datenspionage benutzt, sondern meist noch als fairer "Sport", wer die meisten Connections zusammenbekommt. Ein weiterer Schritt in Richtung Illegalität ist jedoch das Anzapfen der oft riesigen Bandbreiten von Unternehmen.
Mit dem Auto in fremde FirmennetzeStreifenpolizist 2002
Einer der WLAN-Streifenpolizisten, Wayne Peterson, benutzt bei seinen Fahrten neben dem üblichen Laptop mit Funkkarte und passender Software gleich drei Antennen zum Aufspüren von Funknetzen, wobei eine in bester War-Driver-Manier aus einer leeren Chips-Dose [Pringles] gebastelt ist.
Entdeckt er bei seinen Fahrten ungesicherte Netze, informiert er die betreffenden Firmen umgehend, indem er wie der klassische Streifenpolizist vorspricht:
"Ich glaube, dass das heute zur normalen Verbrechensprävention gehört," erklärt der Funknetz-Agent sein Selbstverständnis.
In Australien ist unlängst eine erweiterte Form des "War-Driving" erfunden worden, die sich "WarStorming" nennt: Mit Hilfe eines kleinen Flugzeugs, eines Handhelds und eines Notebooks haben ein paar Australier über Perth in 1500 Fuß Höhe [ca. 460 m] nach offenen Wireless-LAN-Verbindungen gesucht. Dabei haben sie über 90 offene Stellen gefunden.
Mit dem Flieger auf WLAN-SucheAuch Häuserwände im Blick
Neben der meist ungenügenden Sicherung der Funknetze kontrollieren die WLAN-Streifen des Secret Service auch die Häuserwände von Firmen, bei denen sie ein Funknetz entdecken.
Dabei sind sie auf der Suche nach Kreidezeichen, mit denen Details offener Netze beschrieben werden:
Mittels "War-Chalking" halten die "War-Driver" teilweise fest, wo sich die aufgespürten ungesicherten Netzwerke befinden. Mit Kreide werden Symbole an Hauswände oder auf Gehsteige gemalt, um nachfolgende Hacker über die Existenz des offenen Netzes zu informieren.
Der Mobiltelefon-Hersteller Nokia hat unlängst scharfe Kritik an der gängigen Praxis des Aufspürens und Markierens offener Funknetze geübt. Ungesicherte WLAN-Netzwerke mittels Kreidezeichnungen an Wänden zu veröffentlichen, sei nichts anderes als Diebstahl, erklärte der finnische Konzern.
Nokia wettert gegen "War-Chalker"Zunächst ein Nebenprodukt
Anstoß für die WLAN-Kontrollen war für den Secret Service zunächst die Datensicherheit von Behörden und öffentlichen Einrichtungen wie Krankehäusern, in denen auch hochrangige Politiker behandelt werden.
Inzwischen bieten die Agenten ihre Erkenntnisse aber auch Privatfirmen in Washington an und wollen dadurch öffentlichkeitswirksam das Bewustsein für die nötigen Sicherheitsmaßnahmen in WLANs fördern.
US-Secret Service
